Staatsbilanz

Land/Bayern/Fehlender Bedarf

Bayern verschenkt Strom und zählt nichts mit

An rund 580 Standorten laden Beschäftigte private E-Autos gratis, doch das Land erfasst keinen Ladevorgang und kennt die Kosten nicht

Was ist passiert?

Der Freistaat Bayern unterhält an seinen Dienststellen Ladepunkte für Elektroautos, von der Polizeiinspektion auf dem Land bis zum Uniklinikum in Würzburg. Mit dem Haushaltsgesetz 2017/2018 wurde ermöglicht, dass Beschäftigte dort ihre privaten Elektro- und Hybridautos ohne Kostenerstattung laden dürfen. Das sollte die Elektromobilität fördern. Wie oft davon Gebrauch gemacht wurde, weiß allerdings niemand.

Auf eine Anfrage von AfD-Abgeordneten im Landtag räumte die Staatsregierung ein, die Nutzung werde in den Ressorts grundsätzlich weder technisch noch organisatorisch erfasst. Welche Behördenleitungen das Gratisladen gestattet haben, wurde nicht erhoben, ebenso wenig die Kosten für Anschaffung, Netzanschluss und Wartung. Eine Abfrage hätte „unverhältnismäßig hohen Aufwand“ bedeutet. Prüfungen des Rechnungshofs oder interner Revisionen sind „in allen Ressorts nicht bekannt“. Die beigefügte Liste der Ladepunkte hat rund 580 Einträge, meist mit zwei bis vier Punkten. Ausreißer sind das Uniklinikum Würzburg mit 160 und die JVA Marktredwitz mit 67 Ladepunkten.

Auch beim Strom bleibt die Rechnung offen. Der Verbrauch aller Landesliegenschaften stieg von rund 998 Mio. kWh im Jahr 2016 auf rund 1.088 Mio. kWh im Jahr 2024, ein Plus von etwa 90 Mio. kWh oder 9 Prozent. Die Bezugskosten wuchsen von 163,52 Mio. Euro (2016) auf 206,32 Mio. Euro (2022), also um 42,80 Mio. Euro oder 26 Prozent. Für 2023 und 2024 fehlen die Kosten noch. Die Staatsregierung verweist auf gestiegene Strompreise, was plausibel klingt, aber nicht erklärt, welchen Teil das Laden privater Autos ausmacht. Die Datenbasis lasse „keine aussagekräftige Bewertung“ zu.

Das Land selbst förderte allein 2025 Ladepunkte an staatlichen Dienststellen mit rund 1,29 Mio. Euro (Summe der 13 aufgelisteten Maßnahmen). Zur Wirtschaftlichkeit, gerade an schwach genutzten Standorten, antwortete die Regierung mit Verweis auf Bundesgesetz und EU-Gebäuderichtlinie, nicht mit einer Bewertung. Mit dem Haushaltsgesetz 2026/2027 endet das kostenlose Laden. Ob, wann und wie ein Entgelt kommt, entscheiden die Ressorts selbst. Die Kosten der Umstellung sind unbekannt.

Kritik

Wer über Jahre Strom verschenkt, ohne einen einzigen Ladevorgang zu zählen, kann weder Nutzen noch Kosten belegen. Bei Ausgaben in dieser Größenordnung hätten einfache Zähler oder Zugangskarten von Anfang an zum Standard gehören müssen. Dass der Gratisstrom nun endet, ist richtig, kommt aber nach neun Jahren ohne jede Erfolgskontrolle. Die Umstellung sollte einheitlich geregelt und nicht den Ressorts einzeln überlassen werden.

Drucksache 19/12388: Schriftliche Anfrage: Ladeinfrastruktur an staatlichen Dienststellen, Stromverbrauch und elektrisch, Bayerischer Landtag, 20. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Bayern

  1. 12.10.2026BayernLandtag Finanzamt Kaufbeuren erlässt 4,35 Mrd. Euro 4,35 Mrd. € Das Finanzamt Kaufbeuren erließ Firmenerben in 41 Fällen im Schnitt 106 Mio. Euro Steuern, ohne dass Vorgesetzte zustimmen müssen
  2. 18.09.2026BayernLandtag 1,22 Mio. Euro für Autoglas-Werk vor dem Aus 1,22 Mio. € Bayerns Wirtschaftsministerium zahlte 1,22 Mio. Euro für abdunkelbares Autoglas, obwohl das Werk in Dorfprozelten 2027 schließen soll
  3. 07.09.2026BayernLandtag 1,3 Milliarden Euro mehr für Asylunterkünfte 1,3 Milliarden € Bayerns Innenministerium gab für Asylunterkünfte in drei Jahren 1,3 Milliarden Euro mehr aus als geplant, 2024 waren es 430 Millionen Euro

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz