146.600 Euro fürs Vermessen einer Straße
Das Land Berlin sagt für die Vermessung von 656 Metern Jean-Jaurès-Straße 146.600 Euro zu, rund 223 Euro je Meter.
Was ist passiert?
Die Jean-Jaurès-Straße im Berliner Bezirk Reinickendorf verläuft über 656 Meter zwischen Waidmannsluster Damm und Hermsdorfer Straße. Sie gehört zu den Strecken, auf denen der Radverkehr verbessert werden soll. Dafür verteilt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt jedes Jahr Geld aus dem bezirklichen Radprogramm an die Bezirke.
Für 2026 hat das Land dem Bezirksamt Reinickendorf laut Finanzierungsbescheid 146.600,47 Euro zugesagt, und zwar ausdrücklich für die „Vermessung“ dieser Straße. Einen Eigenanteil muss der Bezirk nicht tragen: Das Land Berlin übernimmt 100 Prozent.
Die Summe fällt auf, sobald man in dieselbe Liste schaut. Rechnerisch kostet die Vermessung 146.600 Euro geteilt durch 656 Meter, also rund 223 Euro je Meter. Für die Vermessungsarbeiten an drei Knotenpunkten der Michael-Brückner-Straße in Treptow-Köpenick sagte das Land 15.000 Euro zu, knapp ein Zehntel. Für die Planungsleistungen an der Clayallee in Steglitz-Zehlendorf (383 Meter) sind es 10.000 Euro. Und für den Ausbau der Radwege in der Oranienburger Straße in Reinickendorf selbst (741 Meter) sind 598.690,54 Euro vorgesehen, rund 808 Euro je Meter. Die bloße Vermessung kostet in der Jean-Jaurès-Straße damit gut ein Viertel dessen, was andernorts der komplette Ausbau je Meter kostet.
Eine Begründung für den Betrag liefert die Antwort des Senats nicht. Allgemein verweist die Verwaltung darauf, dass der weitere Ausbau von Radwegen komplexer sei und deshalb höheren Planungsaufwand und größeren finanziellen Aufwand mit sich bringe. Das mag für schwierige Projekte gelten. Bei einer Vermessung, die gewöhnlich am Anfang eines Vorhabens steht, erklärt es einen mehrfach höheren Preis noch nicht.
Stand ist die Antwort vom 27. Juli 2026. Der Bescheid ist erstellt, die Zusage gilt also.
Kritik
Eine Vermessung für 146.600 Euro, rund 223 Euro je Meter Straße, liegt weit über dem, was das Land bei vergleichbaren Posten derselben Liste zusagt. Wenn schon die Vermessung teurer ist als manche Planung oder Markierung, stimmt die Relation nicht. Weil das Land alles zu 100 Prozent zahlt, fehlt dem Bezirk jeder Anreiz, den Preis zu drücken. Die Leistung hätte wettbewerblich ausgeschrieben oder der Betrag an den Vergleichsposten gedeckelt werden müssen, bevor die Zusage erging.
Drucksache 19/26599: Schriftliche Anfrage, Abgeordnetenhaus Berlin, 27. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.