Firmenbörse in Berlin kostet nun dreimal so viel
Berlins Wirtschaftsverwaltung zahlt für ein Online-Portal 1,15 Mio. statt 400.000 Euro, doch nur elf Betriebe fanden einen Nachfolger
Was ist passiert?
Wenn Berliner Inhaber in den Ruhestand gehen, fehlt oft jemand, der den Betrieb übernimmt. Dafür gibt es seit September 2024 die Nachfolgezentrale Berlin, ein Gemeinschaftsprojekt der Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg, der IHK und der Handwerkskammer. Sie führt übergabebereite Unternehmer und Interessenten über ein Online-Portal zusammen. Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung leistet sie ausdrücklich nicht. Bezahlt wird das Angebot überwiegend von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
Die Zuwendung des Landes lag 2025 bei 300.000 Euro. 2026 sind es 1,0 Mio. Euro, die Gesamtkosten steigen von 400.000 auf voraussichtlich 1,15 Mio. Euro. Das ist knapp das Dreifache. Das Personal wuchs dagegen nur von vier auf fünf Vollzeitstellen. Rechnerisch stehen also 700.000 Euro mehr Landesgeld einer zusätzlichen Stelle gegenüber. Das Abgeordnetenhaus hatte die Aufstockung im Mai 2026 beschlossen und verlangt, dass damit mehr Registrierungen und mehr erfolgreiche Nachfolgen erreicht werden.
Die Bilanz bis Ende Juni 2026: 2.290 registrierte Nutzer und 113 vermittelte Erstgespräche, aber nur elf vollzogene Betriebsübergaben. Im Vorjahr waren es null. Teilt man die Gesamtkosten beider Jahre (400.000 + 1.150.000 = 1,55 Mio. Euro) durch elf Übergaben, sind das rund 141.000 Euro je Übergabe. Die Zeiträume sind nicht deckungsgleich und die Kosten für 2026 noch eine Prognose, die Größenordnung bleibt trotzdem. Die City-Light-Kampagne im März 2026 belegte rund 240 Werbeflächen und brachte rund 10 qualifizierte Anfragen.
Der Senat verweist darauf, dass Nachfolgeprozesse zwei bis drei Jahre dauern. Zum Stichtag liefen 61 Gespräche und Verhandlungen, doch nur vier davon befanden sich in Finanzierung und Vertragsanbahnung.
Kritik
Eine Verdreifachung der Gesamtkosten innerhalb eines Jahres ist nur zu rechtfertigen, wenn sich die Wirkung ähnlich deutlich steigert. Bei elf vollzogenen Übergaben und rund 141.000 Euro je Fall steht der Aufwand in keinem erkennbaren Verhältnis zum Ergebnis. Dass die Stellenzahl nur um eine wuchs, die Mittel aber um 700.000 Euro, zeigt, dass der Großteil des Geldes in Kampagnen, Veranstaltungen und Technik fließt statt in die Beratung. Das Land hätte die Aufstockung an klare Zielzahlen für vollzogene Übergaben knüpfen und stufenweise auszahlen sollen, statt auf eine Pipeline zu setzen, die erst in Jahren Ergebnisse bringt.
Drucksache 19/3532: Mitteilung, Abgeordnetenhaus Berlin, 24. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.