Schulanbau in Berlin: 10,8 statt 3 Millionen
Das Land Berlin zahlt für 12 Klassenräume an der Beatrix-Potter-Grundschule 10,8 statt früher 3,0 Millionen Euro, bei gleich vielen Plätzen
Was ist passiert?
Berlins Schulen sind voll, und neue Klassenräume sollen schnell entstehen. Deshalb lässt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie seit 2016 im Rahmen der Schulbauoffensive modulare Ergänzungsbauten (MEB) an bestehende Schulen stellen. Der Typ 12 mit zwölf Klassen- oder Stammgruppenräumen und Platz für 216 Schüler ist die kleine Standardlösung. Rahmenverträge mit einem Generalunternehmer, meist Goldbeck Ost, sollten die Preise berechenbar halten.
Eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus zeigt, wie berechenbar sie waren. Die Zille-Grundschule in Friedrichshain-Kreuzberg kostete 2016 rund 3,0 Mio. Euro, die Bernd-Ryke-Grundschule in Spandau 2017 sogar nur 2,7 Mio. Euro. Auch 2020 lagen die Typ-12-Bauten mit 3,2 bis 3,5 Mio. Euro noch in diesem Rahmen. Dann kam der Sprung: 2023 kostete die Müggelheimer Schule 8,85 Mio. Euro, 2025 die Beatrix-Potter-Grundschule 10,8 Mio. Euro. Für 2027 sind bei der Heinz-Brandt-Schule 11,1 Mio. Euro eingeplant. Die Kapazität blieb mit 216 Plätzen gleich. Je Platz stieg der Preis damit von rund 13.900 Euro (3.013.000 Euro geteilt durch 216) auf 50.000 Euro (10.800.000 Euro geteilt durch 216). Das ist das 3,6-Fache.
Der Senat sieht darin kein Problem. Über den Baupreisindex hinausgehende Steigerungen gebe es generell nicht, die Rahmenverträge enthielten eine Indexanpassung. Die Unterschiede zwischen einzelnen Standorten kämen von den Grundstücken. Für den Typ 12 verweist er auf das Vergabepaket 2020 mit größeren Räumen, Belüftungsanlagen, begrünten Retentionsdächern und Vorrüstung für Photovoltaik. Was davon welchen Anteil an den Mehrkosten hat, beziffert er nicht. Auffällig ist zudem: Die Tabelle des Senats weist für die Bauten des Jahres 2020 noch keine Lüftung aus, und sie kosteten trotzdem nur rund 3,4 Mio. Euro.
Kritik
Wer für denselben Gebäudetyp binnen weniger Jahre das Dreieinhalbfache zahlt, kann sich nicht mit einem Verweis auf Lüftung, Dachbegrünung und Photovoltaik-Vorrüstung begnügen. Solche Ausstattungen machen einen Zwölf-Klassen-Bau nicht annähernd um 7,8 Mio. Euro teurer. Die Verwaltung hätte Leistungsumfang und Preis je Schulplatz gegeneinander abwägen und die Rahmenverträge neu verhandeln müssen, statt Mehrkosten als Indexfolge hinzunehmen. Ein Modulbau, der pro Platz so viel kostet, verliert seinen Vorteil als schnelle und günstige Lösung.
Drucksache 19/27104: Schriftliche Anfrage, Abgeordnetenhaus Berlin, 18. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.