Staatsbilanz

Land/Berlin/Fehlender Bedarf

90.000 Euro Lotto-Geld für Bienen-Baumhöhlen

Berlins Lotto-Stiftung zahlt einer Firma 90.000 Euro für Baumhöhlen wilder Bienen, fast fünfmal so viel wie drei Sportvereine zusammen

Was ist passiert?

Das Land Berlin hat eine eigene Lotteriestiftung, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Aus Zweckabgaben und Bilanzgewinn verteilt ihr Stiftungsrat jedes Quartal Millionenbeträge an Vereine, Bezirke, Kultureinrichtungen und Sozialprojekte. Im zweiten Quartal 2026 waren es 33 Bewilligungen mit zusammen 11.648.879,69 Euro, vom Frauenzentrum über den Ausbildungsbau eines Wohlfahrtsverbands bis zum Konzertfestival.

Eine dieser Bewilligungen sticht heraus. 90.000 Euro gingen als Zuschuss an die Hodlwood UG (haftungsbeschränkt) in der Berliner Brunnenstraße. Gefördert wird das Projekt „Baumhöhlen-Habitate als Verbindungskorridore und Nistplätze für wild lebende Honigbienen und Multispezies“. Es soll laut Bewilligung zur Waldbiodiversität beitragen und der Wiederansiedlung ökologisch bedeutsamer Arten in den Berliner Forsten dienen. So lautet die Selbstbeschreibung; ob und wie das Vorhaben dieses Ziel erreicht, steht in der Vorlage nicht. Auch die Gesamtkosten und der Eigenanteil bleiben dort offen, es ist nur von einer „Mitfinanzierung“ die Rede.

Die Größenordnung lässt sich dennoch einordnen. Es war die einzige Bewilligung aus dem Bereich der Umweltverwaltung in diesem Quartal. Auf sie entfallen rund 0,8 Prozent der gesamten Summe (90.000 geteilt durch 11.648.880 Euro). Die drei Zuschüsse für Bundesliga-Teams im Ultimate Frisbee, Rudern und Kanupolo betrugen zusammen 18.600 Euro (7.600 + 6.000 + 5.000). Die Baumhöhlen erhalten damit knapp das Fünffache (90.000 geteilt durch 18.600 ergibt rund 4,8).

Auffällig ist auch der Empfänger. Die übrigen Zuwendungen des Quartals gehen überwiegend an Vereine, gemeinnützige Gesellschaften, Stiftungen und Behörden. Hier fließt das Geld an eine Unternehmergesellschaft, deren Rechtsform nicht auf Gemeinnützigkeit hinweist.

Kritik

Lotteriemittel sind für das Gemeinwohl gedacht, nicht für die Anschubfinanzierung einer Firma mit unklarem Nutzen. 90.000 Euro für Nistplätze wilder Honigbienen stehen in keinem erkennbaren Verhältnis zu dem, was die Stiftung im selben Quartal an Sportvereine oder kleine Kulturinitiativen vergibt. Bevor eine solche Summe an ein Unternehmen geht, müsste ein überprüfbarer ökologischer Nutzen für den Landeswald belegt sein. Besser wäre es gewesen, das Geld bei gemeinnützigen Trägern mit nachgewiesenen Naturschutzzielen einzusetzen.

Drucksache 19/3459: Vorlage, Abgeordnetenhaus Berlin, 17. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Berlin

  1. 24.09.2026BerlinLandtagAusgabe mit Nachfrage 225 Millionen für Berliner Philharmonie 225 Mio. € Der Bund sagt 225 Millionen Euro für die Sanierung der Berliner Philharmonie zu, bevor Pläne und Kosten bekannt sind, und gleicht damit auch Ansprüche ab
  2. 24.09.2026BerlinLandtagAusgabe mit Nachfrage Firmenbörse in Berlin kostet nun dreimal so viel 1,15 Mio. € Berlins Wirtschaftsverwaltung zahlt für ein Online-Portal 1,15 Mio. statt 400.000 Euro, doch nur elf Betriebe fanden einen Nachfolger
  3. 18.09.2026BerlinLandtag Schulanbau in Berlin: 10,8 statt 3 Millionen 10,8 Mio. € Das Land Berlin zahlt für 12 Klassenräume an der Beatrix-Potter-Grundschule 10,8 statt früher 3,0 Millionen Euro, bei gleich vielen Plätzen

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz