Pool vor der Volksbühne für 382.500 Euro
Das Land Berlin zahlt vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 382.500 Euro für ein Gratis-Schwimmbecken, das nur 56 Tage steht
Was ist passiert?
Berlin (BE). Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist ein Theater des Landes Berlin. Rechtlich gehört sie als nichtrechtsfähige Anstalt zur Hauptverwaltung und damit zur Berliner Verwaltung. Vom 7. August bis zum 1. Oktober 2026 betreibt sie vor dem Haus ein „Volksbad“, ein Schwimmbecken als Kunstaktion. Der Eintritt ist gratis, die Volksbühne wirbt mit „offen für alle“.
Was das Becken kostet, nannte der Senat auf eine Anfrage im Abgeordnetenhaus: kalkuliert sind rund 410.000 Euro. Allein die Miete für das Becken schlägt mit etwa 90.000 Euro zu Buche, die Infrastruktur mit Containern, Umkleiden, Duschen, Treppen und Plattformlift mit etwa 81.000 Euro. Für den Sicherheitsdienst sind rund 75.000 Euro eingeplant, für die Rettungsschwimmer dagegen nur 30.000 Euro. Schon die Planung mit Sicherheitskonzept, Gutachten und TÜV-Prüfungen kostet etwa 33.000 Euro.
Den Betrag trägt fast vollständig der reguläre Haushalt der Volksbühne. Der Schwimmartikelhersteller Speedo steuert als Sponsor 27.500 Euro bei, das sind knapp sieben Prozent. Die übrigen 382.500 Euro (410.000 minus 27.500) zahlt das Land. Auf die 56 Öffnungstage verteilt (25 Tage im August, 30 im September, einer im Oktober) kostet die Aktion rund 7.300 Euro pro Tag. Allein die Beckenmiete macht davon rund 1.600 Euro aus.
Öffentliche Aufmerksamkeit bekam das Projekt, weil für den 14. August von 12 bis 18 Uhr zunächst ein Badetag „exklusiv für Schwarze Communities“ angekündigt war. Nach Presseberichten wurde der Text geändert: Das Bad sei nun für den Verein Each One Teach One reserviert. Am Konzept habe sich laut Senat nichts geändert. Abgesagt wurde der Termin später wegen der Berichterstattung und Anfeindungen. Der Senat hält eine solche befristete Zugangsbeschränkung für rechtlich zulässig. Das entfallene Angebot hat die Kalkulation laut Antwort nicht verändert.
Kritik
Für ein Schwimmbecken, das nur 56 Tage steht, gibt der Haushalt der landeseigenen Volksbühne rund 382.500 Euro aus. Allein Miete, Infrastruktur sowie Auf- und Abbau des Beckens kosten zusammen etwa 222.000 Euro, mehr als die Hälfte der Gesamtsumme. Ein Sponsorenanteil von knapp sieben Prozent ist für ein so teures Vorhaben ein dünner Beitrag. Eine Kunstaktion in dieser Größenordnung aus Steuermitteln zu finanzieren, ohne dass sich Dritte substanziell beteiligen, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen eines zeitlich begrenzten Bades.
Drucksache 19/26839: Schriftliche Anfrage, Abgeordnetenhaus Berlin, 26. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.