Sechs Tage Super Bowl auf Staatskosten
Ein Berliner Senatsmitglied flog im Februar 2026 sechs Tage zum Football-Finale nach San Francisco, die Kosten nennt der Senat nicht
Was ist passiert?
Der Super Bowl ist das Endspiel der amerikanischen Football-Liga und eines der größten Sportereignisse der Welt. Für Berlin ist er zunächst vor allem eines: weit weg. Dennoch reiste im Februar 2026 ein Mitglied des Berliner Senats zum Finale nach San Francisco.
Aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage der AfD-Abgeordneten Dr. Kristin Brinker geht hervor, dass die Reise vom 6. bis 11. Februar 2026 dauerte. Als Zweck führt die Liste „Besuch Super Bowl, Gespräche zu sicherheitspolitischen Themen“ auf. Welches Senatsmitglied genau reiste, lässt sich aus der Tabelle nur schwer erkennen. Die Zuordnung deutet auf die Verwaltung für Inneres und Sport hin. Mehr als diese eine Zeile erfährt man nicht: keine Gesprächspartner, kein Ergebnis, keine Kosten. Der Senat räumt selbst ein, dass sich die Kosten der Reisen noch nicht durchgängig beziffern lassen.
Die Reise sticht auch im Vergleich mit den übrigen Einträgen der Liste heraus. Ein Austausch in den Partnerstädten Prag und Warschau, bei dem es um Krisenvorsorge, Sicherheit, Resilienz und Katastrophenschutz ging, dauerte drei Tage und führte in zwei Städte. Die Reise nach San Francisco dauerte sechs Tage, also doppelt so lang, und hatte ein einziges Ziel. Die Innenministerkonferenz in Hamburg, ein klassischer Termin für Sicherheitsfragen, dauerte ebenfalls drei Tage (17. bis 19. Juni).
Dazu kommt der Zeitraum. Im selben Februar stehen in der Liste auch zwei Besuche der Olympischen Winterspiele in Mailand (10. bis 11. und 16. bis 19. Februar), außerdem im Januar die Reise nach Wien auf Einladung der Wiener Philharmoniker. Ob ein Sportgroßereignis der passende Ort für Sicherheitsgespräche ist, mag man als offizielle Begründung gelten lassen. Überzeugend wirkt sie bei einem Termin dieser Länge nicht.
Kritik
Wer für ein Sportfinale sechs Tage über den Atlantik reist, muss einen konkreten dienstlichen Nutzen für Berlin vorweisen können, und „Gespräche zu sicherheitspolitischen Themen“ ist dafür zu dünn. Sicherheitsfragen lassen sich auf den dafür vorgesehenen Konferenzen und im Austausch mit den Partnerstädten besprechen, und das in der Hälfte der Zeit. Eine Reise zu einem Großereignis, das für viele vor allem Unterhaltung bedeutet, weckt zu Recht den Verdacht, dass der Besuch selbst der eigentliche Zweck war. Steuergeld sollte für solche Termine nur fließen, wenn Anlass, Ertrag und Kosten vorher klar benannt werden.
Drucksache 19/26558: Schriftliche Anfrage, Abgeordnetenhaus Berlin, 21. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.