77.000 Euro für Schiebebaum und Kajak-Camp
Das Land Brandenburg zahlte 2024 knapp 77.000 Euro für vier Orte, bekannt sind ein geschobener Baum, eine Regentonne und Wasserspiele
Was ist passiert?
Das Land Brandenburg will Kommunen dabei helfen, sich auf Hitze, Trockenheit und Wetterextreme einzustellen. Dafür hat es 2024 unter anderem den Haushaltstitel „Klimaanpassung in Kommunen: Tandem Resilient Cities Zahrnt+Tolk“ mit 76.968 Euro ausgewiesen. Vier Kommunen nahmen an den sogenannten Tandems teil.
Was dafür öffentlich bekannt wurde, ist überschaubar. In Luckau wurde ein Baum mit zwei Holzbänken durch die Stadt geschoben, als „Wanderbaum“. Nach Angaben des damals zuständigen Umweltministeriums (MLUK) handelte es sich dabei um Bauhofmaterial und eine Baumspende. Gekauft werden musste also offenbar wenig. In Beeskow gab es eine mobile Pergola, in Ludwigsfelde eine Regenwassertonne. Hinzu kamen ein „Water Action Day“ mit Wasserverspritzen und Oberflächenthermometern sowie ein zweieinhalbtägiges Camp am Standort „Leuchtturm LOUISE“, zu dem eine Kajak-Tour gehörte.
Die Landesregierung begründete die Ausgaben mit Sensibilisierung, Kapazitätsaufbau und niedrigschwelliger Klimaanpassung. Teilt man den Betrag durch die vier Teilnehmerkommunen, ergeben sich 19.242 Euro je Kommune (76.968 geteilt durch 4). Wie viel davon an Honorare, Sachmittel oder Sonstiges ging, hat die Landesregierung bislang nicht aufgeschlüsselt.
Offen ist auch, ob das Land hier etwas bezahlt hat, was der Bund schon förderte. Die beteiligte Initiative Resilient Cities bezeichnet sich selbst als 2024 aus dem bundesfinanzierten Vorhaben „GoingVis“ hervorgegangen. Ob dieselben Formate zweimal aus Steuergeld bezahlt wurden, ist nicht geklärt.
Der AfD-Abgeordnete Lars Günther hat dazu im September 2026 eine Kleine Anfrage gestellt. Er hält die Anschaffungen für Baumarktartikel im Wert von höchstens wenigen tausend Euro. Antworten der Landesregierung stehen aus. Sicher ist nur, dass zusammen mit der Checkliste einer Umweltberatungsgesellschaft (126.711 Euro) für 2024 gut 200.000 Euro für diese Art der „niedrigschwelligen“ Klimaanpassung im Haushalt standen.
Kritik
Ein geschobener Baum aus Bauhofbestand, eine kleine Pergola und eine Regenwassertonne sind keine Anpassung einer Kommune an den Klimawandel, schon gar nicht für knapp 77.000 Euro. Wasserverspritzen und Kajak-Paddeln sind Veranstaltungen, die nach dem Ende nichts hinterlassen, was andere Kommunen nutzen könnten. Wer Wissen weitergeben will, muss es dauerhaft und für alle abrufbar machen, statt vier Kommunen ein Camp zu bezahlen. Bei knappen öffentlichen Kassen wäre das Geld besser in Maßnahmen geflossen, die bleiben.
Drucksache 8/3446: Kleine Anfrage, Landtag Brandenburg, 22. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.