11 Millionen Euro für abgebrochene Polizeiausbildung
In Bremen und Bremerhaven brachen 179 angehende Polizisten ihr Studium ab, jeder Studienplatz kostet das Land rund 61.560 Euro
Was ist passiert?
Bremen (HB). Wer in Bremen oder Bremerhaven zur Polizei will, absolviert ein dreijähriges Studium zum Polizeikommissar. Das Land trägt dafür die Personalkosten der Anwärter. Nachwuchs wird dringend gebraucht: Die Polizei arbeitet laut Anfrage der FDP seit Jahren bei Personal und Überstunden am Limit.
Umso erstaunlicher ist, was der Senat auf diese Anfrage mitteilte. Von 2021 bis 2026 beendeten rund 179 Anwärter ihr Studium vorzeitig, etwa 11 Prozent. 143 von ihnen gehörten zur Polizei Bremen, 36 zur Ortspolizeibehörde Bremerhaven. Am meisten Abbrüche gab es 2024 mit 48 Fällen (38 in Bremen, 10 in Bremerhaven).
Auch die Gründe sind aufschlussreich. 69 Anwärter gingen freiwillig. 58 scheiterten an Prüfungen, 22 an mangelnden sportlichen Leistungen. Dazu kamen 18 gesundheitliche Fälle, 10 dienstliche oder disziplinarrechtliche Gründe und 2 sonstige. Zu einer anderen Polizeibehörde wechselte kein Einziger. Der Nachwuchs fehlt also nicht, weil ihn andere abgeworben hätten, sondern weil er das Studium nicht zu Ende brachte.
Ein Studienplatz kostet das Land im Schnitt etwa 61.560 Euro an Bruttopersonalkosten für drei Jahre, also 20.520 Euro je Jahr (61.560 geteilt durch 3). In der Ausbildungskooperation mit Niedersachsen kommen laut Senat 35.000 Euro je Person hinzu, zusammen also 96.560 Euro. Rechnet man die 179 Abbrecher mit dem vollen Durchschnittssatz, ergeben sich rund 11 Mio. Euro (179 mal 61.560). Weil die Abbrecher das Studium nicht bis zum Ende durchliefen, dürfte der tatsächliche Betrag niedriger liegen. Die Größenordnung bleibt trotzdem beachtlich.
Eine eigene Erklärung für die vielen Abbrüche liefert der Senat nicht. Er zählt die Gründe lediglich auf und nimmt die Zahlen zur Kenntnis.
Kritik
Wer ein Studium bezahlt, das jeder neunte Anwärter nicht beendet, verbrennt in großem Stil Geld und verschärft zugleich den Personalmangel, den er beheben will. Besonders ärgerlich sind die 69 freiwilligen Abbrüche und die 22 Fälle mangelnder sportlicher Leistung, denn beides lässt sich vor Studienbeginn besser einschätzen. Das Land sollte die Auswahl so verbessern, dass Eignung und Motivation früher geprüft werden, und bei freiwilligem Abbruch Rückzahlungen prüfen. Außerdem gehört zu jedem Jahrgang eine offene Auswertung, was die Abbrüche kosten und wo sie sich häufen.
Drucksache 21/1977: Mitteilung, Bürgerschaft Bremen, 8. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.