Kunstschiff in Bremen kostet über eine Million
Die Bremer Hochschule für Künste kaufte ein Ausstellungsschiff für 290.000 Euro, bis 2025 sind es über eine Million Euro
Was ist passiert?
Die Hochschule für Künste (HfK) ist eine staatliche Hochschule, die ihre wirtschaftlichen Angelegenheiten unter der Rechts- und Fachaufsicht des Landes, genauer des Wissenschaftsressorts, führt. Wer Kunst zeigen will, braucht Platz, und daran hat es der HfK in den vergangenen Jahren nicht gemangelt: Ihre genutzte Fläche wuchs von 2013 bis 2023 um mehr als 6.000 Quadratmeter oder 42,3 Prozent. Zu den neuen Flächen gehört auch ein Schiff, die MS Dauerwelle, die als Ausstellungsschiff dient.
Die Anschaffung kostete 290.000 Euro. In den Jahren 2020 und 2021 kamen weitere 540.000 Euro hinzu. Damit lagen die Ausgaben nach nur zwei Jahren bei 830.000 Euro und damit fast dreimal so hoch wie der Kaufpreis (830.000 geteilt durch 290.000 ergibt rund 2,9). Im Schnitt flossen in diesen beiden Jahren 270.000 Euro jährlich in das Schiff. Das ist mehr, als die HfK 2013 insgesamt an Jahresmiete für alle ihre Flächen zahlte, nämlich rund 218.000 Euro. Bis 2025 soll das Schiff den Haushalt der Hochschule nach den Feststellungen des Rechnungshofs voraussichtlich mit mehr als einer Million Euro belasten.
Der Rechnungshof stellte fest, dass vor wesentlichen Anmietungen und Flächenerwerben der HfK dokumentierte Bedarfsanalysen fehlten. Das Schiff nannte er ausdrücklich neben dem Neubau Speicher XI A, Flächen an der Domsheide und Containerflächen. Die jährlichen Mietaufwendungen der Hochschule stiegen im selben Zeitraum von rund 218.000 auf rund 1,2 Millionen Euro.
Im Februar 2026 teilte das Wissenschaftsressort dem Rechnungsprüfungsausschuss mit, man prüfe, das Projekt aus wirtschaftlichen Gründen und wegen fehlender vollständiger Barrierefreiheit zu beenden. Ob das entschieden wurde, ist bislang nicht bekannt. Die Fraktion Bürger in Wut will es im September 2026 in einer Großen Anfrage genauer wissen, auch zu Nutzung, Besucherzahlen und Einnahmen des Schiffs.
Kritik
Ein Schiff als Ausstellungsfläche zu kaufen und umzubauen, ohne vorher den Bedarf zu belegen, ist keine Kunstförderung, sondern Raumbeschaffung auf Verdacht. Dass erst Jahre später auffällt, dass das Schiff nicht vollständig barrierefrei ist und sich wirtschaftlich womöglich nicht trägt, zeigt, dass diese Fragen vor dem Kauf hätten geklärt werden müssen. Eine Hochschule, die ihre Flächen in zehn Jahren um mehr als 40 Prozent ausweitet, braucht für jede Anmietung und jeden Kauf eine nachvollziehbare Bedarfs- und Kostenrechnung. Fehlt sie, muss das Wissenschaftsressort als Aufsicht eingreifen, bevor aus 290.000 Euro Kaufpreis über eine Million Euro Gesamtkosten werden.
Drucksache 21/1991: Große Anfrage, Bürgerschaft Bremen, 14. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.