129.300 Euro für Radweg, der wieder abgebaut wurde
Hamburg baute in Rahlstedt einen Radweg mit Betonschutz für 66.200 Euro und riss ihn nach Schnee für 63.100 Euro ab
Was ist passiert?
Die Berner Straße im Hamburger Stadtteil Rahlstedt wurde saniert, samt neuer Radverkehrsführung. Der Radweg sollte als „Protected Bike Lane“ entstehen, also durch niedrige Betonelemente vom fließenden Autoverkehr abgetrennt. Nach Darstellung des Senats sollen solche Elemente widerrechtliches Parken auf Radfahrstreifen unterbinden und das subjektive Sicherheitsgefühl der Radfahrenden steigern.
Im November 2025 wurde die Anlage gebaut, die Baukosten betrugen rund 66.200 Euro. Dann kam der Winter. Nach Schneefällen waren die niedrigen Betonelemente für Räumfahrzeuge und andere Verkehrsteilnehmer kaum noch zu erkennen. Der Senat räumt inzwischen ein, dass derartige Elemente gegen die Anprallkräfte von Schneeräumfahrzeugen „prinzipiell nicht ausgelegt“ sind. Die Maßnahme nennt er trotzdem „wohlüberlegt“.
Im Februar 2026 verschwand die Anlage wieder. Der Rückbau kostete rund 51.500 Euro, dazu kamen rund 11.600 Euro für Verkehrsabsicherung, zusammen 63.100 Euro. Das sind 95 Prozent des Baupreises (63.100 geteilt durch 66.200). Insgesamt flossen damit rund 129.300 Euro (66.200 plus 63.100) in einen Radweg, der nur wenige Monate stand. Rechnet man großzügig mit drei Monaten von November bis Februar, waren das etwa 43.100 Euro im Monat.
Auch die Schadensbilanz ist nicht folgenlos: Zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 registrierte die Polizei einen Unfall, bei dem ein Pkw beim Einparken ein Element beschädigte. Vier private Fahrzeuge erlitten Reifenschäden, zwei Halter wurden entschädigt. Schäden an öffentlichen Fahrzeugen wurden nicht gemeldet.
An der Stelle gibt es heute einen Radfahrstreifen mit Breitstrichmarkierung, angeordnet Ende April 2026. Weitere Baumaßnahmen oder Änderungen der Bauart sind nach Auskunft des Senats nicht vorgesehen.
Kritik
Dass Betonelemente im Winter von Räumfahrzeugen nicht erkannt und nicht verkraftet werden, ist keine Überraschung, sondern eine Standardsituation auf jeder Straße. Wer eine Radverkehrsanlage baut, muss den Winterdienst von Anfang an mitplanen, bevor das Geld in den Beton fließt. Dass der Rückbau fast so viel kostete wie der Bau, ist die teure Folge dieser versäumten Prüfung. Am Ende steht dort ein einfacher markierter Radfahrstreifen, und den hätte man auch ohne den Umweg über 129.300 Euro haben können.
Drucksache 23/5627: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 16. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.