7,52 Millionen Euro für Sportplatz im Jugendknast
Hamburgs Justizbehörde will in Billwerder 7,52 statt 3,89 Millionen Euro für Sportplatz und Holzhaus der neuen Jugendanstalt ausgeben
Was ist passiert?
Billwerder (HH). Die Hamburger Jugendanstalt soll nach Billwerder umziehen. Der Einzug der Gefangenen ist für April 2027 geplant. Zur Anstalt gehören sollen auch Sportflächen und ein Gebäude für Freizeit und pädagogische Angebote. Das Gelände dafür ist bislang Naturfläche, teils sumpfig.
Die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz will für diesen Teil des Vorhabens bis zu 7,52 Mio. Euro ausgeben. Dafür entstehen ein Kunstrasenfeld von etwa 90 x 45 Metern, ein Volleyballfeld, Distanzzäune und ein eingeschossiges Holzgebäude mit WC, Tonstudio und einer Art Lehrküche. Die Basiskosten hatten zuvor bei 3,89 Mio. Euro gelegen. Die Gesamtsumme ist damit fast doppelt so hoch (7,52 geteilt durch 3,89 ergibt knapp 1,93).
Die Behörde führt an, die Fläche müsse erst entwässert und hergerichtet werden, bevor überhaupt gebaut werden könne. Das Gebäude gehe auf einen Beirat zurück, der seit 2015/2016 mehr Bewegungs- und Freizeitangebote verlangt hatte. Eigentlich habe der Beirat sogar ein zweigeschossiges Haus gewollt. Man habe also schon abgespeckt.
Ein Blick auf die Zahlen relativiert das. Allein Außenanlagen und Herrichtung der Fläche sollen 2,97 Mio. Euro kosten, das sind 39,5 Prozent der Gesamtsumme. Die Baunebenkosten machen 26,5 Prozent aus, also rund 2 Mio. Euro (0,265 mal 7,52 Mio.), bezogen auf die Baukosten sind es 40 Prozent. Für ein einfaches Holzgebäude und einen Sportplatz ist das viel Geld für Planung und Verwaltung. Die Behörde selbst prüft diese Posten noch und hat bei der Sprinkenhof GmbH um Erläuterungen gebeten.
Auch die Berechnungsgrundlage wackelt. In der Vorlage steckte eine Kostenvarianz von 20 Prozent, im neuen Planungsentwurf sind es nur noch 10 Prozent. Die Obergrenze von 7,52 Mio. Euro soll trotzdem bleiben. Fertig wird der Sportbereich ohnehin erst in der zweiten Jahreshälfte 2028, gut ein Jahr nach dem Einzug.
Der Haushaltsausschuss empfahl die Nachbewilligung mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken gegen CDU und AfD.
Kritik
Wer fast das Doppelte der Basiskosten bewilligen lässt, ohne dass die Nebenkosten geprüft und die Zahlen aktuell sind, geht mit dem Geld der Steuerzahler zu großzügig um. Ein Deckel von 7,52 Mio. Euro ist keine Sparsamkeit, wenn er so hoch angesetzt ist, dass ihn ein einfaches Holzhaus und ein Sportplatz kaum erreichen müssten. Rund 2 Mio. Euro für Baunebenkosten und fast 3 Mio. Euro für Herrichtung und Außenanlagen hätten vor der Bewilligung nachvollziehbar aufgeschlüsselt werden müssen. Der Umfang gehört auf das pädagogisch Nötige begrenzt, und bewilligt werden sollte erst mit geprüften Zahlen.
Drucksache 23/5638: Bericht, Bürgerschaft Hamburg, 9. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.