18 Millionen Euro mehr für Hamburgs Oper
Hamburg überweist der Staatsoper 18 Millionen Euro extra, davon 13,25 Millionen für 2027 und 2028 schon jetzt, ohne zu sagen, wofür genau
Was ist passiert?
Die Hamburgische Staatsoper GmbH wird zum größten Teil von der Stadt getragen: Die institutionelle Zuwendung lag 2025/26 bei rund 81,8 Millionen Euro. Mit der neuen Intendanz in der Spielzeit 2025/26 sollte das Haus eine strategische Rücklage von 5 Millionen Euro im Rücken haben, um die Neuausrichtung ohne Geldsorgen anzugehen.
Das Gegenteil trat ein. Obwohl die Zuwendung im Dezember 2025 per Änderungsbescheid um 4,758 Millionen Euro erhöht wurde, war die Rücklage zum Ende der Spielzeit 2024/25 nur auf 3,085 Millionen Euro gewachsen. In der folgenden Spielzeit wurde sie komplett aufgezehrt. Für Ende 2025/26 wird ein Defizit von 5,999 Millionen Euro und ein negatives Eigenkapital von 2,914 Millionen Euro erwartet. Zum Ziel von 5 Millionen Euro fehlen damit 7,914 Millionen Euro (5 Millionen plus 2,914 Millionen).
Nun will der Senat 18 Millionen Euro nachbewilligen lassen: 4,75 Millionen Euro bis Ende 2026 und einen „Puffer“ von 13,25 Millionen Euro, der erst 2027 und 2028 wirken soll. Ausgezahlt werden soll er aber vollständig noch in diesem Jahr. Wie sich der Betrag zusammensetzt, bleibt offen: Eine Aufteilung auf einzelne Ursachen habe der Bemessung nicht zugrunde gelegen. Eine Woche nach dem Antrag legte der Senat zudem einen Haushaltsplanentwurf vor, der für die Oper in allen kommenden Spielzeiten ausgeglichene Ergebnisse zeigt.
Die Zahlen aus der Anlage zeichnen ein klares Bild. Die Personalaufwendungen stiegen von 47,330 Millionen Euro (2022/23) auf 55,284 Millionen Euro (2025/26), ein Plus von 7,954 Millionen Euro. Die Erlöse aus Vorstellungen sinken von 15,663 Millionen Euro (2023/24) auf geplante 12,129 Millionen Euro (2026/27), also um 3,534 Millionen Euro oder rund 23 Prozent. Allein die Ausgleiche und Aufstockungen seit 2022/23 summieren sich auf 21,621 Millionen Euro (5,849 plus 9,203 plus 4,758 plus 1,811).
Der Senat sieht darin keine Verschwendung, sondern eine Stabilisierung. Ein Abwarten bis zum Haushalt 2027/28 hätte die Unsicherheit nicht beseitigt, und die Entscheidung stehe unter dem Vorbehalt der Bürgerschaft. Ob sie zustimmte, ist nach Stand der Antwort vom 25. September 2026 unbekannt.
Kritik
Wer die Hälfte eines Zuschusses für zwei Folgejahre auf einen Schlag überweist, nimmt dem Parlament die jährliche Kontrolle aus der Hand. Ein Puffer von 13,25 Millionen Euro, der sich nicht auf Ursachen zurückführen lässt, ist kein Konzept, sondern ein Blankoscheck. Die Oper hat bereits mehrfach Defizitausgleiche und Aufstockungen erhalten, ohne dass die Lage sich besserte, und die Vorstellungserlöse sinken weiter. Neues Geld sollte deshalb nur jahresweise fließen und an überprüfbare Einspar- und Erlösziele geknüpft sein.
Drucksache 23/5416: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 25. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.