2 Millionen Euro für eine Toilette
Hamburg gab am Gerhart-Hauptmann-Platz 2.008.000 Euro für eine umgebaute Toilette aus, ein neues Häuschen kostete höchstens 752.000 Euro
Was ist passiert?
Hamburg-Mitte (HH).
Hamburg unterhält 141 öffentliche Toiletten in der Zuständigkeit der Stadtreinigung, zehn mehr als 2019. Die meisten werden regelmäßig gepflegt, saniert oder ersetzt. Dafür stehen im Investitionsprogramm 2026 und 2027 jeweils 820.000 Euro bereit. Das ist nicht viel, denn die Bezirksversammlungen fordern seit 2022 zusätzliche Anlagen, denen der Senat überwiegend nicht entsprochen hat. Sparsamkeit wäre also angebracht gewesen.
Am Gerhart-Hauptmann-Platz lief es anders. Die dortige Anlage, eine präsenzgereinigte „Toilette für Alle“, wurde zwischen 2022 und 2025 saniert beziehungsweise umgebaut. Laut Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten Dr. Kaja Steffens betrugen die Kosten 2.008.000 Euro brutto. Zum Vergleich: Die teuerste Sanierung unter allen anderen Anlagen seit 2020 schlug mit knapp 760.000 Euro zu Buche. Die 25 seit 2020 neu gebauten Anlagen kosteten zwischen rund 150.000 und 752.000 Euro. Für den geplanten Neubau am Geschwister-Töllke-Platz sind 733.217,31 Euro veranschlagt.
Der Preis für die eine Toilette entspricht damit mehr als zwei Neubauten der teuersten Sorte (2 x 752.409 Euro = 1.504.818 Euro) oder knapp zweieinhalb Jahresraten des gesamten Toilettenprogramms (2.008.000 : 820.000 = 2,45). Bei dem Nutzungsentgelt von 0,70 Euro, das an präsenzgereinigten Anlagen seit 2025 gilt, müssten rechnerisch rund 2,9 Millionen Menschen zahlen, damit allein die Baukosten hereinkämen (2.008.000 : 0,70).
Die Anlage war zudem die einzige der Stadt, die in den Jahren 2025 und 2026 längerfristig geschlossen war. Der Senat verweist dazu lediglich auf frühere Drucksachen. Dass er den Betrag im Vergleich mit den übrigen Projekten für vertretbar hält, ist die einzige Einordnung, die er mitliefert: Die Mittel seien mit der Abwägung aller Aufgaben „vereinbar“.
Kritik
Eine Toilette, die mehr kostet als zwei der teuersten Neubauten, ist keine Sanierung mehr, sondern ein Luxusprojekt auf Kosten der übrigen Standorte. Bei einem Jahresbudget von 820.000 Euro und unerfüllten Wünschen der Bezirke ist eine solche Summe für einen einzigen Standort nicht zu rechtfertigen. Spätestens als die Kosten aus dem Rahmen liefen, hätte die Stadt prüfen müssen, ob ein Neubau günstiger gewesen wäre, und das Vorhaben notfalls stoppen müssen. Für Bauvorhaben dieser Art braucht es feste Kostengrenzen, die sich am Preis vergleichbarer Neubauten orientieren.
Drucksache 23/4861: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 28. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.