22 Millionen für Leuchtturm auf Neuwerk
Hamburg gibt auf der Nordseeinsel Neuwerk 22 Millionen Euro für einen Leuchtturm mit Hotel aus, obwohl dort nur 24 Menschen gemeldet sind
Was ist passiert?
Die Nordseeinsel Neuwerk liegt rund 100 Kilometer vom Hamburger Rathaus entfernt und gehört zum Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Ihr Wahrzeichen ist der Leuchtturm, der als ältester Profanbau Hamburgs gilt und bislang als Hotel, Gastronomie, Besucherplattform und Trauort dient. Der Senat lässt ihn nun denkmalgerecht sanieren und modernisieren.
Was das kostet, verrät die Antwort auf eine Kleine Anfrage in der Bürgerschaft: nach derzeitiger Schätzung rund 22 Mio. Euro, Fertigstellung im dritten Quartal 2028. Hotel und Gastronomie sollen ausdrücklich weiterlaufen. Dem steht gegenüber, dass auf Neuwerk am 30. Juli 2026 gerade 24 Personen gemeldet waren, nur zehn davon mit einzigem Wohnsitz. Auf jede gemeldete Person entfallen damit rechnerisch rund 917.000 Euro (22 Mio. Euro geteilt durch 24). Der Ringdeich, der die ganze Insel schützt, wurde für 4,8 Mio. Euro auf seine Sollhöhe gebracht. Der Turm kostet gut das Viereinhalbfache (22 geteilt durch 4,8).
Hinzu kommen rund drei Mio. Euro für den Umbau von Scheune und Spritzenhaus. Dort entstanden zwei Wohnungen mit je 90 Quadratmetern, zwei Miniappartements mit je 22 Quadratmetern und ein Laden. Die Fertigstellung verzögerte sich um fünf Monate. Vermietet werden die Wohnungen an die künftigen Betreiber des Leuchtturmhotels, die es noch nicht gibt. Außerdem will die Stadt zwei Inselhotels kaufen. Die Pächtersuche läuft noch, der Erwerb ist für den 1. Dezember 2026 vorgesehen.
Die Begründung des Senats lautet, die touristische Infrastruktur zu stärken und die dauerhafte Besiedlung der Insel zu sichern. Eine Zielzahl für die Bevölkerung gibt es nicht, möglich sei ein Wert im oberen zweistelligen Bereich. Gesamtkosten, Finanzierung und Beschlussgrundlage will der Senat erst im ersten Halbjahr 2027 nennen. Das Entwicklungskonzept von 2020 hatte die Hotels noch in privater Hand gesehen und keine solchen Investitionen vorgesehen.
Kritik
Einen historischen Leuchtturm zu erhalten ist Aufgabe der Stadt, ein Hotel zu betreiben ist es nicht. Fast 917.000 Euro je gemeldeter Person für einen Turm, der vor allem Gästen dient, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen für eine Insel mit 24 Meldeadressen. Hamburg sollte die Kosten auf Denkmal und Leuchtfeuer begrenzen und den Hotelumbau über Pacht oder Dritte refinanzieren lassen. Zusätzliche Hotelkäufe und Wohnungsbauten sollten erst folgen, wenn ein tragfähiges Konzept mit messbaren Zielen vorliegt.
Drucksache 23/4906: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 4. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.