55.000 Euro für Wachleute am Schwarzenbergpark
Hamburg zahlt in Harburg zwei Wachleuten bis zu 55.000 Euro, doch sie stehen nur vier Morgenstunden im Park und nicht auf den Schulhöfen
Was ist passiert?
Am Harburger Schwarzenbergpark liegen die Grundschule Am Park und das ReBBZ Harburg Tür an Tür mit dem Drogenhilfezentrum Abrigado, das Beratung, medizinische Hilfe und einen Drogenkonsumraum anbietet. Im Juni 2026 gab es dort innerhalb weniger Tage mehrere Schusswaffenvorfälle, ein Mann wurde verletzt, die Schulen wurden zeitweise von der Polizei gesichert. Die Eltern forderten rasche Abhilfe. Als eine der Sofortmaßnahmen kündigte die Stadt einen privaten Sicherheitsdienst an, der die Schulen schützen soll.
Seit dem 19. August 2026 ist er im Einsatz. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat in Abstimmung mit dem Bezirksamt Harburg die Firma SHALA Sicherheit & Service bis zum 15. Juli 2027 beauftragt und stellt dafür bis zu 55.000 Euro bereit. Auf gut elf Monate Laufzeit gerechnet sind das rund 5.000 Euro im Monat. Dafür sind an Schultagen zwei Personen im Park, und zwar von 7 bis 11 Uhr. Die Schulgelände betreten sie auf Wunsch der Schulen in der Regel nicht. Sie sollen Personen ansprechen, in Notfällen die Polizei rufen und Spritzen entfernen oder melden, wo das gefahrlos geht.
Die ersten Tage lieferten wenig Anschauung. Nach Angaben des Senats war der Dienst bislang nur wenige Tage im Einsatz, besondere Feststellungen gab es nicht. Am Starttag registrierte die Polizei am Abrigado allerdings einen Einsatz wegen Bedrohung mit einer Waffe. Ob er in die Dienstzeit der Wachleute fiel, geht aus der Antwort nicht hervor. Die Polizeipräsenz bleibt unverändert, der Wachdienst ändert daran zunächst nichts. Eine Erfolgsmessung über Kennzahlen ist nicht vorgesehen. Der Senat erklärt trotzdem, die Maßnahmen hätten sich bewährt. Das ist nach wenigen Tagen Betrieb eine mutige Aussage.
Hinzu kommt der Zeitplan: Der Auftrag endet im Juli 2027, der Neubau des Abrigado an der Buxtehuder Straße soll aber erst Ende 2028 bezogen werden.
Kritik
Wer bis zu 55.000 Euro für Wachpersonal ausgibt, das nur vier Morgenstunden im Park steht und die Schulgelände nicht betritt, schützt die Schulen allenfalls symbolisch. Nach den Schüssen im Juni brauchen Eltern und Kinder Sicherheit über den ganzen Schultag, nicht nur zu Schulbeginn. Ein Auftrag dieser Größe hätte Einsatzzeiten, Aufgaben und ein messbares Ziel verlangt, an dem sich der Erfolg ablesen lässt. So bleibt der Dienst eine teure Beruhigungsmaßnahme, während die eigentliche Lösung, der Umzug des Abrigado, noch mehr als zwei Jahre entfernt ist.
Drucksache 23/5084: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 28. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.