Hamburg: 184 Millionen für ein Hafenbüro
Hamburgs Hafenbehörde zahlt 157 Millionen für ein Bürohaus, dazu 7 für einen verworfenen Neubau und 20 für Umbau und Umzug
Was ist passiert?
Die Hamburg Port Authority (HPA) betreibt als Anstalt des öffentlichen Rechts die Hafeninfrastruktur der Stadt. Ihre Büros lagen bisher in angemieteten Gebäuden, die nach Angaben des Senats rund 450.000 Euro im Monat kosteten. Eigentlich sollte die HPA einen Neubau auf dem Baufeld 76 errichten, der als wirtschaftlicher als eine weitere Anmietung galt. Dann kam es anders: Ende 2023 kaufte die HPA stattdessen das Gebäude Am Strandkai 1 für rund 157 Millionen Euro. Die rund 7 Millionen Euro teure Planung für den aufgegebenen Neubau ist nach Angaben des Senats nicht weiterverwendbar. Für die Herrichtung des Gebäudes und den Umzug kommen nochmals rund 20 Millionen Euro hinzu. Zusammen sind das mindestens 184 Millionen Euro (157 + 7 + 20).
Der Umzug lief seit Juli 2026 schrittweise, in der ersten Augustwoche zogen die Beschäftigten ein. Die alten Mietverträge enden am 31. August 2026. Wofür die 20 Millionen Euro im Einzelnen ausgegeben wurden, wollte der Senat auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten nicht sagen. Er verwies auf das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis: Die Zahlen ließen Rückschlüsse auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der HPA zu. Mitgeteilt wurde lediglich, der Kostenrahmen werde eingehalten. Zur Einordnung: Bei 450.000 Euro Monatsmiete entsprechen 20 Millionen Euro rund 44 Monaten Miete (20 Mio. : 450.000 Euro), also fast vier Jahren.
Auch sonst blieb vieles offen. Der Senat hatte zugesagt, alle Mängel würden bis zum Umzug behoben. Nun werden einzelne Restarbeiten erst nach dem Einzug erledigt, ihre Kosten sollen erst danach genannt werden. Für Veranstaltungs- und Foyerflächen gibt es noch kein Vermietungskonzept. Die Dachterrasse soll zunächst intern genutzt werden, eine externe Nutzung wird erst geprüft. Für die bisherige Zentrale im Speicher Block P wird ein Nachnutzungskonzept erarbeitet, eine Neuvermietung war ab Mitte 2029 angekündigt. Eine Rechnung, wann sich der Kauf gegenüber der Miete lohnt, nannte der Senat nicht.
Kritik
Rund 20 Millionen Euro für die Herrichtung und den Umzug einer Behörde sind eine Summe, die sich nicht von selbst versteht, zumal das Gebäude bereits 157 Millionen Euro gekostet hat. Die 7 Millionen Euro für den verworfenen Neubau sind verloren, und mit dem Kauf wurde ein Weg gewählt, der die Gesamtrechnung weiter in die Höhe treibt. Für Foyer, Veranstaltungsflächen und Dachterrasse wurde Geld in ein Haus gesteckt, bevor feststand, wer diese Flächen nutzen und bezahlen soll. Bei einem Vorhaben dieser Größe muss die öffentliche Hand zeigen können, wofür jeder große Posten ausgegeben wird, statt sich auf Geheimhaltung zu berufen.
Drucksache 23/4968: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 18. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.