Hamburgs Müllabfuhr zahlt Ex-Aufseher 12.900 Euro
Die Stadtreinigung Hamburg bezahlte ihren früheren Aufsichtsratschef 12.900 Euro für 86 Stunden Beratung, ohne Wettbewerb und ohne Nachweis
Was ist passiert?
Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts der Stadt und baut derzeit das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE), das größte Bauvorhaben in ihrer Geschichte. Die Anlage soll künftig Wärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Kontrolliert wurde das Unternehmen im Aufsichtsrat, dessen Vorsitz lange der zuständige Staatsrat Michael Pollmann innehatte. Schon 2019 stufte der Aufsichtsrat das ZRE als Gegenstand „besonderer Aufmerksamkeit“ ein, den entsprechenden Bericht zeichnete Pollmann.
Mit Ablauf des 2. September 2024 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Danach wurde er von der SRH als Berater beauftragt. Er sollte bei der Gewinnung von Abfallmengen aus dem Kreis Pinneberg helfen, die Interessen der SRH gegenüber öffentlichen Stellen vertreten und sich um Fragen zum Parkplatz „Braun“ des Hamburger Sportvereins kümmern. Die Parkflächen sollten für den ZRE-Bau vorübergehend nutzbar werden. Dafür sprach Pollmann im Februar und März 2026 mit dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen sowie den Bezirksämtern Altona und Eimsbüttel.
Abgerechnet wurden laut Senat rund 86 Stunden und 12.900 Euro. Das entspricht etwa 150 Euro je Stunde (12.900 Euro geteilt durch 86 Stunden). Der Senat spricht von einer „einfachen Beauftragung unterhalb der Schwellenwerte“ und versichert, der Vertrag sei ordnungsgemäß zustande gekommen. Öffentlich bekannt wurde allerdings, dass es kein formelles Vergabeverfahren gab und die Beauftragung mit seinen besonderen politischen Kenntnissen und Kontakten begründet worden sein soll. Was Pollmann in den einzelnen Aufträgen genau leistete, kann der Senat nicht sagen: Sie seien „nicht systematisch erfasst“ worden. Außerdem informierte Pollmann im März 2026 mehrfach die Leitung der Umweltbehörde über den Stand der Dinge. Eine Abstimmung mit der SRH gab es dafür laut Senat nicht.
Kritik
Wer ein Großprojekt jahrelang als Aufsichtsratschef begleitet hat, sollte kurz darauf nicht ohne Wettbewerb daran verdienen. Gespräche über Parkflächen und Abfallmengen hätten sich mit eigenem Personal erledigen oder zumindest im Wettbewerb vergeben lassen. Rund 150 Euro je Stunde für Aufträge, die nicht einmal einzeln festgehalten wurden, lassen sich kaum als sparsamer Umgang mit Gebührengeld verstehen. Bei öffentlichen Unternehmen sollte schon der Anschein vermieden werden, dass ein persönlicher Draht zur Politik mehr zählt als ein Angebot.
Drucksache 23/5566: Schriftliche Kleine Anfrage, Bürgerschaft Hamburg, 9. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.