6,2 Millionen für Berater der Messe Hannover
Die Messe Hannover zahlte für zehn Beratungen 6,2 Millionen Euro, drei blieben ohne Ergebnis, und was die Sanierung des Geländes kostet, ist unklar
Was ist passiert?
Die Deutsche Messe AG betreibt das Messegelände in Hannover, auf dem unter anderem die HANNOVER MESSE stattfindet. Seit der Corona-Pandemie kämpft das Unternehmen mit einem schwächelnden Messegeschäft, und das Gelände samt Hallen und Dächern muss saniert werden. Das Land Niedersachsen ist Anteilseigner und im Aufsichtsrat vertreten.
Um den Weg aus der Krise zu finden, holte sich der Vorstand seit 2020 externe Hilfe: zehn Beratungsaufträge an Unternehmen wie Boston Consulting Group, PwC, KPMG und weitere. Die Landesregierung beziffert die Kosten bislang auf rund 6,2 Millionen Euro. Rechnerisch sind das 620.000 Euro je Auftrag (6,2 Mio. Euro geteilt durch zehn), und weil seither Posten dazukamen, dürfte der Wert inzwischen höher liegen. Wer wie viel bekam, bleibt geheim. Die Landesregierung beruft sich auf Geschäftsgeheimnisse Dritter.
Drei der Aufträge verliefen im Sand: der Geländeentwicklungsplan, das Energietransformationskonzept und die KPMG-Analyse zur Weiterentwicklung. Als Grund nennt die Landesregierung vor allem die ungeklärte Finanzierung, bei KPMG zusätzlich die fehlende Zustimmung der Anteilseigner zur vorgeschlagenen Trennung von Besitz und Betrieb. Die Szenarien aus dem Geländeentwicklungsplan, die bis zu einer weitgehenden Neuplanung des Geländes reichten, wurden auf 1,3 Milliarden bis über 2 Milliarden Euro geschätzt. Nach heutiger Auskunft des Ministeriums waren sie finanziell nicht realistisch umsetzbar. Das soll offenbar erklären, warum sie nicht weiterverfolgt wurden. Überschneidungen zwischen den Aufträgen räumt die Landesregierung ein.
Kontrolliert wurde die Vergabe kaum: Für Beratungsaufträge gibt es weder Wertgrenzen noch Zustimmungsvorbehalte des Aufsichtsrats. Und der Sanierungsbedarf? Der soll erst mit dem Sanierungskonzept Ende 2026 vorliegen. Bis dahin gibt es laut Landesregierung keine belastbaren Zahlen, obwohl die großen Szenarien dem Aufsichtsrat und den Anteilseignern schon im November 2023 präsentiert wurden.
Kritik
Wer mehr als sechs Millionen Euro für Beratung ausgibt, sollte am Ende wissen, was das Gelände braucht und was es kostet. Stattdessen wurden Pläne bestellt, deren Finanzierung nie geklärt war und die sich später als nicht realistisch herausstellten. Dass der Vorstand Berateraufträge ohne Wertgrenze und ohne Zustimmung des Aufsichtsrats vergeben kann, lädt zu Doppelarbeit und Fehlplanung ein. Künftige Aufträge gehören an klare Finanzierungszusagen und Zustimmungsvorbehalte gebunden, und die Einzelkosten, die mit öffentlichem Geld bezahlt werden, gehören auf den Tisch.
Drucksache 19/11877: Kleine Anfrage, Landtag Niedersachsen, 15. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.