114.000 Euro für einen Bauwagen
Das Land Rheinland-Pfalz zahlt 114.068 Euro für einen Bauwagen der Tierparkschule im Hunsrück, fast achtmal so viel wie für ein Infokonzept
Was ist passiert?
Der Rhein-Hunsrück-Kreis will Gäste anziehen, und das Land hilft dabei mit Geld. Seit 2022 wurden dort 18 touristische Projekte gefördert, vom Hotelumbau über ein Brücken-Bistro bis zur Erlebnisbibliothek. Die Nachfrage lässt dabei Luft nach oben: Die Schlafgelegenheiten im Kreis waren in den vergangenen viereinhalb Jahren im Schnitt nur zu 20,5 bis 28,7 Prozent ausgelastet.
Zu den geförderten Vorhaben gehört ein „Bauwagen für die Tierparkschule“. Das Land Rheinland-Pfalz bewilligte dafür im Februar 2025 insgesamt 114.068,23 Euro. Davon stammen 91.254,58 Euro aus EU-Mitteln, die das Land verwaltet, und 22.813,65 Euro aus der Landeskasse. Das sind genau 80 Prozent EU-Anteil. Bis zum Herbst 2026 flossen bereits 51.958,80 Euro, also gut 45 Prozent der Summe.
Das Wirtschaftsministerium führt den Wagen in seiner Antwort auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Ralf Schönborn unter den touristischen Projekten auf. Es gilt also als Beitrag zum Fremdenverkehr, und dies ist die Begründung, die sich aus der Auflistung ergibt. Zur Einordnung hilft ein Blick auf die übrigen Posten der Liste: Für die Welterbe-Infopunkte, ein Konzept zur Vermittlung des Welterbes, bewilligte das Land 14.280 Euro. Der Bauwagen kostet damit fast das Achtfache (14.280 Euro mal 8 ergibt 114.240 Euro). Auch die Neugestaltung einer Schutzhütte war mit 93.348,09 Euro günstiger als ein einzelner Wagen.
Wer für ein einzelnes Fahrzeug mehr als 114.000 Euro Steuer- und EU-Geld aufbringt, sollte erklären können, welchen Gästen es zusätzlich in den Kreis bringt.
Kritik
Ein einzelner Bauwagen für über 114.000 Euro steht in keinem erkennbaren Verhältnis zu seinem touristischen Nutzen. Dass ein Großteil des Geldes aus EU-Töpfen kommt, macht es nicht weniger zu Steuergeld. Das Land hätte Vorhaben fördern sollen, die nachweislich zusätzliche Übernachtungsgäste bringen, statt einer so teuren Einzelanschaffung. Wer ein Projekt in dieser Höhe bewilligt, sollte vorab nachvollziehbar belegen, warum ein einfacherer Wagen oder eine günstigere Lösung nicht genügt hätte.
Drucksache 19/727: Antwort, Landtag Rheinland-Pfalz, 24. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.