448 Downloads für 199.000 Euro
Das Umweltministerium in Schleswig-Holstein lässt eine App betreiben, die jährlich 83.300 Euro kostet, also rund 186 Euro je Download.
Was ist passiert?
Wer wissen will, wie es um Wasserpegel, Luftwerte oder geologische Bohrungen in seiner Umgebung steht, soll das in Schleswig-Holstein bequem auf dem Smartphone nachschauen können. Dafür betreibt das Land mit Niedersachsen und Rheinland-Pfalz im Rahmen einer Verwaltungskooperation die „UmweltNAVI App“. Sie zeigt standortbezogene Umweltdaten auf einer interaktiven Karte, und Nutzer können außerdem Fotos hochladen. Zuständig ist auf Landesseite das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur.
Doch gefragt scheint das kaum zu sein. Laut Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage im Landtag wurde die App insgesamt rund 448 Mal heruntergeladen, davon 214 Mal auf Android-Geräten und 234 Mal auf iPhones. Die Konzeption und Entwicklung kosteten einmalig 199.000 Euro brutto. Das sind rechnerisch etwa 444 Euro je Download (199.000 Euro geteilt durch 448). Hinzu kommen jährliche Kosten für Betrieb, Pflege und Weiterentwicklung von 83.300 Euro brutto. Auch das ergibt je Download rund 186 Euro, und zwar Jahr für Jahr.
An mangelnder Technik liegt es offenbar nicht: Für den Betrieb ist der Dienstleister wemove GmbH zuständig, dessen Projekt- und Entwicklungsteam derzeit fünf Beschäftigte umfasst. Dazu kommen zwei Beschäftigte im Ministerium, die zeitanteilig die Daten betreuen. Dass kaum jemand die App kennt, ist allerdings wenig verwunderlich. Für Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit wurden laut Landesregierung keine gesonderten Mittel aufgewendet.
Zum Vergleich: Die App „Regierung SH“ kostete bis zum Start gut 227.000 Euro und wurde rund 26.000 Mal heruntergeladen. Das sind etwa neun Euro je Download (227.355 Euro geteilt durch 26.000).
Kritik
Eine App, die in ihrer Entwicklung 199.000 Euro und danach jedes Jahr 83.300 Euro kostet, muss ihre Nutzer auch erreichen. Wer keinen Cent für Werbung einplant, sollte vorher prüfen, ob der Bedarf überhaupt besteht. Bei nur 448 Downloads wäre eine schlanke Lösung, etwa eine einfache Kartenanwendung im Internet, deutlich angemessener gewesen. Spätestens jetzt gehört der laufende Betrieb auf den Prüfstand: Entweder wird die App bekannt gemacht und genutzt, oder sie wird eingestellt.
Drucksache 20/4648: Kleine Anfrage, Landtag Schleswig-Holstein, 30. Juli 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.