Staatsbilanz

Land/Schleswig-Holstein/Fehlender Bedarf

1 Million Euro für Schulzahlen im Netz

Schleswig-Holsteins Bildungsministerium zahlt bis zu 1.054.340 Euro, damit Schulleitungen Schulzahlen online statt auf Papier sehen

Was ist passiert?

In Schleswig-Holstein führen Schulleitungen und Schulaufsicht seit dem Schuljahr 2024/25 an allen allgemeinbildenden Schulen einmal im Jahr ein verbindliches Datenblattgespräch. Grundlage ist das Schuldatenblatt, das Schülerzahlen, Vergleichsarbeiten, Abschlüsse und Unterrichtsversorgung zusammenfasst. Es umfasst je nach Schulart acht Seiten (Grundschulen), zwölf (Gymnasien), 16 (Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe) oder 19 Seiten (Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe).

Dieses Papier hat das Bildungsministerium zum 1. Oktober 2026 in ein digitales Dashboard überführt. Neu sind laut Landesregierung unter anderem der Sozialindex als zusätzliche Vergleichsgruppe, einblendbare Zeitreihen, Interpretationshilfen in Textform und die Möglichkeit, Daten auch unterjährig zu aktualisieren statt nur einmal im Jahr. Zugriff haben zunächst allein Schulleitungen und Schulaufsichten.

Der Preis dafür: Für die Projektlaufzeit von Mai 2026 bis April 2027 nennt das Ministerium einmalige Kosten von 704.096,70 Euro für Plattform, Module, Wartung und Beauftragung der Firma Polyteia. Dazu kommen Entwicklungskosten, die für die gesamte Laufzeit auf höchstens 350.243,44 Euro begrenzt sind. Werden beide Posten zusammengerechnet, wie es die getrennte Aufstellung nahelegt, sind es bis zu 1.054.340,14 Euro (704.096,70 plus 350.243,44).

Bemerkenswert ist der Start: Für Mai und Juni waren bereits 122.998,25 Euro abgerechnet, also rund 61.500 Euro im Monat. Würde die Obergrenze gleichmäßig auf zwölf Monate verteilt, ergäben sich knapp 29.200 Euro monatlich (350.243,44 geteilt durch 12). Die ersten beiden Monate kosteten demnach mehr als doppelt so viel. Die Kosten sind laut Ministerium zudem ausdrücklich auch für den Ausbau zur Auswertungs- und Berichtsplattform gedacht, das Dashboard werde „kontinuierlich weiterentwickelt“.

Die Begründung klingt zeitgemäß: mehr Vergleichsmöglichkeiten, aktuellere Daten. Ob damit auch die Gespräche zwischen Schule und Schulaufsicht besser werden, die am Ende über Ziele und Unterstützung entscheiden, beantwortet die Landesregierung nicht.

Kritik

Ein Datenblatt von acht bis 19 Seiten in eine Online-Ansicht zu überführen, rechtfertigt keine Ausgaben von mehr als einer Million Euro. Der Nutzen bleibt bislang im Ungefähren, denn es ist nur von mehr Vergleichsgruppen und häufigeren Aktualisierungen die Rede, nicht von besseren Ergebnissen an den Schulen. Besonders problematisch ist, dass die Entwicklungskosten schon in den ersten beiden Monaten auf ein Tempo liefen, das die Obergrenze weit überschreiten würde, wenn es anhielte. Das Land hätte den Funktionsumfang schlanker halten und zunächst prüfen müssen, ob sich der Aufwand mit deutlich weniger Geld erreichen lässt.

Drucksache 20/4927: Kleine Anfrage, Landtag Schleswig-Holstein, 13. Oktober 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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