20 Millionen für ein Stadion in Kiel
Das Land zahlt dem Kieler Holstein-Stadion 20 Millionen Euro aus dem Topf für Hallen und Bäder, 422 andere Vorhaben bekamen zusammen 54 Millionen
Was ist passiert?
Schleswig-Holstein fördert den Sport über ein eigenes Gesetz. Den Landessportverband unterstützt das Land mit garantierten 11 Mio. Euro im Jahr. Wer dagegen die Hallen, Plätze und Bäder vor Ort betreibt, sind überwiegend die Kommunen. Sie tragen nach eigener Darstellung den Hauptteil der Investitions-, Betriebs- und Unterhaltungskosten. Für diese Sportstätten stellt das Land eigene Fördermittel bereit, die kommunale Hallen, Plätze und Schwimmstätten sanieren sollen. Dies ist der Zweck, für den das Geld gedacht ist.
Der Evaluationsbericht der Landesregierung zum Sportfördergesetz, den das Innenministerium im August 2026 dem Landtag vorlegte, zeigt, wohin ein Teil des Geldes tatsächlich ging. Seit 2017 flossen aus den Mitteln für kommunale Sportstätten 20 Mio. Euro in das Holstein-Stadion in Kiel. Zum Vergleich: Die reguläre Sportstättenförderung des Landes zahlte von 2017 bis 2024 für 422 Maßnahmen zusammen 54,2 Mio. Euro. Das ergibt im Schnitt rund 128.000 Euro je Maßnahme (54,2 Mio. Euro geteilt durch 422). Ein einziges Stadion erhielt damit so viel wie rechnerisch 156 dieser durchschnittlichen Projekte (20 Mio. Euro geteilt durch 128.000 Euro). Gemessen an der Summe beider Posten, 74,2 Mio. Euro, entfallen gut ein Viertel auf diesen einen Standort.
Dabei klagen die Kommunen seit Langem über den Zustand ihrer Sportstätten. Der Städteverband und der Landkreistag halten sie trotz erheblicher Anstrengungen von Land und Kommunen weiterhin für sanierungsbedürftig. Viele Anträge können nicht bedient werden. Das Land verweist in seinem Bericht auf das Staatsziel der Sportförderung und auf den Wert des Sports für Gesundheit und Zusammenhalt. Das mag stimmen, erklärt aber nicht, warum ein einzelnes Stadion einen so großen Teil der Mittel erhält, die für die Breite gedacht waren.
Kritik
Mittel für kommunale Sportstätten sollen vielen Hallen und Plätzen zugutekommen, nicht einem einzelnen Stadion. Wenn ein Objekt fast so viel erhält wie 422 reguläre Maßnahmen zusammen, ist die Förderung aus dem Gleichgewicht geraten. Zugleich bleiben Anträge der Kommunen liegen und der Sanierungsstau wächst. Das Land hätte die Mittel auf viele Vorhaben verteilen und größere Einzelprojekte aus anderen Töpfen oder mit klarer Begrenzung finanzieren müssen.
Drucksache 20/4705: Bericht, Landtag Schleswig-Holstein, 18. August 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.