18 Monate Planung für Thüringer Züge vergebens
Thüringens Verkehrsministerium brach die Vergabe für sechs Bahnlinien ab, weil Strom über den Gleisen fehlt; aus 1 Vergabe werden nun 4
Was ist passiert?
Sechs Regionalbahnlinien, darunter RE 1, RE 2 und RE 3, sollten in Thüringen unter dem Namen „Thüringer Elektro-Netz“ (TEN) neu vergeben werden, für die Zeit von Dezember 2030 bis Dezember 2043. Es geht um rund 7,4 Mio. Fahrplankilometer im Jahr, über die gesamte Laufzeit also etwa 96 Mio. Kilometer (7,4 Mio. mal 13 Jahre).
Das Verfahren wurde im März 2025 veröffentlicht, nach Planungen, die schon 2024 begonnen hatten. Seine Grundlage war die Annahme, dass die Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Lehndorf/Gößnitz bis zum Betriebsstart elektrifiziert ist. Nach Darstellung des Ministeriums beruhte das auf dem damaligen Informationsstand und auf dem „klaren politischen Willen“. Doch Finanzierungszusagen des Bundes fehlen bis heute, Entscheidungen von Bund und Infrastrukturbetreiber verzögerten sich mehrfach.
Im September 2026, rund 18 Monate nach dem Start, wurde das Verfahren ohne Zuschlag beendet. Die EU-Bekanntmachung nennt „geänderte Anforderungen des Beschaffers“. Das Ministerium räumt ein, dass das nicht stimmt: Das Formular habe keine passende Auswahl geboten, in Wahrheit sei die Grundlage weggefallen.
Statt einer großen Vergabe soll es nun mehrere geben. Ab Dezember 2028 sollen zwei Zwischenvergaben mit gebrauchten Dieseltriebwagen laufen, für RE 2 und RE 3 womöglich bis Dezember 2036. Ab Dezember 2031 sollen RE 1 und RB 21 mit neuen Akkufahrzeugen fahren, Laufzeit bis Dezember 2045. Für RE 2 und RE 3 kommt später ein weiteres Verfahren. Aus einem Verfahren werden damit vier.
Was das kostet, kann das Land nicht beziffern. Es räumt aber ein, dass bei älteren Fahrzeugen die Wartungskosten steigen können und durch die Aufteilung Synergien verloren gehen. Die Verzögerung beschreibt das Ministerium zugleich als „zeitliche Spielräume“ für den Bund. Das ist eine großzügige Lesart für einen Ablauf, der das Land selbst zum Umplanen zwingt.
Kritik
Das Land hat ein Vergabepaket für 13 Jahre auf eine Strecke gegründet, deren Elektrifizierung nicht finanziert war. Wer so plant, braucht entweder verbindliche Zusagen des Bundes oder ein Konzept, das auch ohne Oberleitung trägt. Nun sind aus einer Vergabe vier geworden, mit älteren Fahrzeugen und verlorenen Synergien, und die Arbeit von rund 18 Monaten Verfahren war am Ende vergebens. Große Verkehrsverträge sollten erst ausgeschrieben werden, wenn ihre Voraussetzungen gesichert sind.
Drucksache 8/4450: Antwort, Landtag Thüringen, 28. September 2026. Zahlen gegen das Dokument geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand des Dokuments; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.