Staatsbilanz

Stadt/Magdeburg/Fehlender Bedarf

Fahrradboxen im Leerlauf

Magdeburgs 30 Fahrradboxen brachten 2025 nur 1.071,51 Euro ein, der Betrieb kostete 5.676,64 Euro.

Was ist passiert?

Wer in der Innenstadt sein Rad sicher abstellen will, soll in Magdeburg künftig nicht lange suchen müssen. Dafür ließ die Stadt an drei Standorten, am Opernhaus, an der Fürstenwallstraße und am Johannisberg, je zehn elektronisch gesteuerte Fahrradboxen aufstellen, teils mit Ladefunktion. Seit August 2024 sind die 30 Boxen in Betrieb, finanziert wurde der Aufbau mit Fördermitteln.

Die Bilanz für 2025 fällt nüchtern aus. Zusammen nahmen die Boxen 1.071,51 Euro ein. Dem standen 5.676,64 Euro für Betreiber, Strom und Zahlungsdienstleister gegenüber. Es blieb ein Fehlbetrag von 4.605,13 Euro, die Einnahmen deckten also nur knapp 19 Prozent der laufenden Kosten (1.071,51 : 5.676,64). Genutzt wurden die Boxen rund 612-mal, davon 313-mal am Opernhaus, 206-mal an der Fürstenwallstraße und 93-mal am Johannisberg. Rechnerisch kostete jede Nutzung etwa 9,28 Euro (5.676,64 : 612) und brachte etwa 1,75 Euro ein (1.071,51 : 612).

Am Johannisberg war es besonders deutlich: Zehn Boxen wurden dort im ganzen Jahr 93-mal gebucht, also gut neunmal je Box. Den Einnahmen von 163,49 Euro standen 1.917,75 Euro Betriebskosten gegenüber, rund 20,62 Euro je Buchung.

Die Verwaltung erklärt, die Rufbereitschaft bei Störungen habe man aus Personalmangel nicht selbst übernehmen können und deshalb mit an die Betreiberfirma vergeben. Eine genaue Nutzungsstatistik gibt es nicht, weil das kostenpflichtige Modul dafür nicht bestellt wurde. Außerdem seien die Standorte nach touristischen Gesichtspunkten gewählt worden, ein Platz nahe einem Bürogebäude hätte vermutlich mehr Zulauf. Seit Ende 2025 betreibt zudem die Bahn am Bahnhof eine eigene Anlage mit demselben Anbieter. Ob eine Kostendeckung kurz- oder mittelfristig erreichbar ist, nennt die Verwaltung selbst fraglich.

Kritik

Standorte, die sich später als wenig gefragt herausstellen, und ein Betrieb, der pro Nutzung mehr als das Fünffache der Einnahmen kostet, sind keine solide Grundlage für ein Dauerangebot. Die Stadt hätte vor dem Aufbau klären müssen, wer die Boxen tatsächlich braucht, und den Bedarf etwa bei Berufspendlern prüfen müssen. Dass für die Auswertung nicht einmal das Statistikmodul gebucht wurde, erschwert die Steuerung zusätzlich. Wenn Standorte und Tarife nicht bald angepasst werden, zahlt die Stadt Jahr für Jahr drauf, und der Fehlbetrag bleibt dauerhaft.

I0044/26: Bericht zur Auslastung der Fahrradboxen, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 24. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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