Magdeburgs Fahrradboxen kaum genutzt
In Magdeburg brachten 30 Fahrradboxen 2025 nur 1.071,51 Euro ein, bei 5.676,64 Euro Kosten; versprochen waren Einnahmen von 4.600 Euro
Was ist passiert?
Wer in Magdeburg als Tourist sein Rad sicher abstellen will, soll dazu seit einigen Jahren die Möglichkeit haben. Im Juli 2022 beschloss der Stadtrat, am Opernhaus, am Johannisberg und in der Fürstenwallstraße je zehn elektronisch gesteuerte, abschließbare Fahrradboxen aufzustellen. Die Herstellung sollte 152.000 Euro kosten, 90 Prozent davon übernahm das Land. Für die Stadt blieben rechnerisch 15.200 Euro.
Die Verwaltung versprach zudem, dass sich der Betrieb selbst trägt: Sie veranschlagte die laufenden Kosten auf rund 4.600 Euro im Jahr und schätzte die Einnahmen auf denselben Betrag. Das war die Begründung, mit der das Vorhaben durchging.
Die Wirklichkeit sah anders aus. Im November 2025 meldete die Verwaltung in einem Sachstandsbericht, die Betriebskosten lägen bei 5.500 Euro jährlich. In den ersten fünf Monaten nahmen alle 30 Boxen zusammen ganze 30,87 Euro ein, das sind gut ein Euro je Box. Der Bericht zum Gesamtjahr 2025 zeigt trotz Bemühungen um mehr Attraktivität: Einnahmen von 1.071,51 Euro stehen Kosten von 5.676,64 Euro gegenüber. Es blieb ein Minus von 4.605,13 Euro (5.676,64 minus 1.071,51).
Die Einnahmen erreichten damit gut 23 Prozent des Erwarteten (1.071,51 geteilt durch 4.600). Auf den Tag gerechnet kamen für alle 30 Boxen knapp 3 Euro zusammen (1.071,51 geteilt durch 365), je Box etwa 10 Cent. Die Fraktion der AfD, die das Vorhaben schon 2022 ablehnte, beantragte im März 2026, alle drei Standorte stillzulegen und bei Bedarf zurückzubauen. Sie führt auch an, die Personalstunden der Verwaltung seien in der Rechnung nicht enthalten. Zuvor soll geklärt werden, ob die Fördermittel an eine Bindung geknüpft sind. Wie der Stadtrat entschieden hat, ist nicht bekannt.
Kritik
Die Boxen sollten sich selbst tragen, tatsächlich deckten die Einnahmen nicht einmal ein Fünftel der Betriebskosten. Mit 30 Boxen an drei Standorten wurde gleich in voller Größe gebaut, statt die Nachfrage erst mit wenigen Boxen zu erproben. Dass das Land 90 Prozent der Herstellung zahlte, ändert nichts daran, dass es Steuergeld ist und die Betriebskosten dauerhaft bei der Stadt bleiben. Wer eine Kostendeckung verspricht, muss belegen können, dass genügend Nutzer kommen, und sollte sonst nicht bauen.
A0062/26: Fahrradboxen stilllegen!, Ratsinformationssystem der Stadt Magdeburg, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.