Staatsbilanz

Stadt/München/Fehlender Bedarf

107 Mio. Euro für Leichtathletik-WM in München

Für neun Wettkampftage in München zahlen Bund, Land und Stadt bis zu 107 Mio. Euro, der erhoffte Mehrumsatz liegt nur bei 85 Mio. Euro

Was ist passiert?

München ist seit den European Championships 2022 und der Fußball-EM 2024 geübt im Ausrichten von Großereignissen, und das Olympiastadion steht ohnehin da. Nun will die Stadt auch die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 oder 2031 austragen. Veranstalterin soll die Olympiapark München GmbH sein, die auf eigene Rechnung handelt.

Am 25. März 2026 stimmte der Stadtrat gegen die Stimmen von Linke/Partei, ÖDP und AfD zu. Er bewilligte für die Förderung des Defizits bis zu 107.181.060 Euro bei einer WM 2029 und bis zu 109.989.181 Euro bei 2031. Das sind rund 2,8 Mio. Euro mehr für zwei Jahre Wartezeit, der Aufschlag geht auf die Inflation. Bund, Freistaat und Stadt sollen je ein Drittel tragen, auf die Stadt entfielen also bis zu 35,6 beziehungsweise 36,6 Mio. Euro. Die Zusagen von Bund und Freistaat stehen jedoch noch unter dem Vorbehalt der Haushaltsgremien. Rechtssicherheit gebe es laut Vorlage erst nach den Förderbescheiden, deren Zeitpunkt offen sei. Zusätzlich muss die Stadt eine Garantie abgeben, die die Veranstaltung finanziell absichert. Ihre Höhe bleibt in nichtöffentlicher Sitzung.

Geplant sind neun Veranstaltungstage mit rund 404.000 verkauften Tickets und 257.000 Übernachtungen. Rechnet man die 107,2 Mio. Euro auf diese Tage um, kommen knapp 12 Mio. Euro öffentliche Förderung je Tag heraus. Je Ticket sind es rund 265 Euro (107,2 Mio. Euro geteilt durch 404.000), davon trägt die Stadt allein gut 88 Euro.

Der Nutzen soll in einem touristischen Mehrumsatz von 85 Mio. Euro liegen. Das ist Umsatz bei Hotels und Gastronomie und keine Einnahme der Stadt. Selbst im besten Fall liegt er unter der öffentlichen Förderung: Auf jeden Euro Mehrumsatz kämen rund 1,26 Euro Steuergeld. Die Veranstalterin versichert, das Budget werde nicht mehr steigen. Die Entscheidung von World Athletics war für September 2026 vorgesehen, ihr Ergebnis ist hier nicht bekannt.

Kritik

Wer neun Tage Sport mit über 107 Mio. Euro Steuergeld bezuschusst, kauft Prestige, das sich auch nach der eigenen Rechnung nicht trägt, denn der erhoffte Mehrumsatz von 85 Mio. Euro liegt unter der Förderung und fließt zudem größtenteils privaten Betrieben zu. Das Versprechen, das Budget steige nicht mehr, ist bei Großereignissen eine Hoffnung und keine Garantie, und die Stadt haftet zusätzlich über eine Garantie. Vor einer verbindlichen Bewerbung hätten Zuschussdeckel und Garantie öffentlich offengelegt und die Zusagen von Bund und Freistaat eingeholt werden müssen. Ein fester Höchstbetrag, der Mehrkosten ausschließt, wäre das Mindeste.

Sitzungsvorlage 20-26 / V 18954: Bewerbung um die Ausrichtung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 oder 2031 in München, Ratsinformationssystem der Stadt München, 26. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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