1,6 Millionen Euro für 40 Meter Mauer
Münster soll 1,6 Mio. Euro für 40 Meter Hochwassermauer am Fluss Aa zahlen, die ein Privatmann baut, bevor klar ist, worauf sie steht
Was ist passiert?
In der Münsteraner Innenstadt fließt die Aa zwischen senkrechten Mauern, die Häuser stehen direkt am Wasser. An der Neubrückenstraße 25-27 hält bislang die Außenwand eines privaten Hinterhofgebäudes das Hochwasser zurück. Bei einer Bauwerksprüfung im Januar 2026 wurde ihr Zustand als ungenügend eingestuft. Der Eigentümer will das Gebäude ohnehin abreißen und neu bauen. Deshalb soll die Stadt, die für die Aa zuständig ist, eine eigenständige Schutzwand bekommen.
So weit ist das nachvollziehbar. Ungewöhnlich ist die Arbeitsteilung: Planung, Ausschreibung und Bau übernimmt der Privateigentümer, die Kosten trägt die Stadt. Laut Vorlage vom Juli 2026 sollte der Umweltausschuss am 22. September 2026 rund 1,6 Mio. Euro für etwa 40 Meter neue Mauer freigeben. Das sind rund 40.000 Euro je laufendem Meter (1,6 Mio. Euro geteilt durch 40 Meter). Nach dem Bau will die Stadt außerdem die Flächen kaufen, auf denen Wand und Fundamente stehen.
Die Verwaltung spricht von Synergieeffekten, die „vollumfänglich genutzt“ worden seien, und hält die Planung für die wirtschaftlichste Variante. Die beigefügten Pläne zeigen ein anderes Bild. Unter der Wand steht der Hinweis „Tiefgründung siehe spätere Planung“. Die Fundamente der Nachbarmauern sind als „unbekannt“ vermerkt, und das Gründungsgutachten trägt noch das Datum „XX.XX.2026“. An zwei Anschlussfugen stehen Fragezeichen. Trotzdem war der Baubeginn für das vierte Quartal 2026 angesetzt. Ausschreiben sollte der Privateigentümer „unmittelbar nach Baubeschluss“.
Auch die Finanzierung beruht auf einer Erwartung. Die Hälfte, also 800.000 Euro, soll als Landeszuschuss kommen. Über die genaue Förderhöhe verhandelte die Stadt zum Zeitpunkt der Vorlage noch mit der Bezirksregierung. Hinzu kommen ab 2029 Folgelasten von jährlich 38.000 Euro. Der Bauherr nebenan errichtet sein neues Haus anschließend im Schutz der fertigen Mauer.
Kritik
Wer 1,6 Mio. Euro Steuergeld bereitstellt, sollte zuerst wissen, worauf die Wand steht. Ein Baubeschluss, bei dem die Gründung erst später geplant werden soll, lädt zu Nachträgen ein. Zudem gibt die Stadt Planung und Vergabe aus der Hand und lässt einen Privatbauherrn mit öffentlichem Geld ausschreiben. Dieser Bauherr profitiert selbst von der Mauer. Sinnvoller wäre es gewesen, Gründung und Förderzusage abzuwarten und den Eigentümer an den Kosten zu beteiligen, die ihm die neue Wand erspart.
V/0410/2026: Neubrückenstraße 25-27: Ersatzneubau einer Hochwasser-Schutzwand entlang der Münsterschen Aa, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 16. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.