Staatsbilanz

Stadt/Münster/Kostensteigerung

Münster: Straße für Radler doppelt so teuer

Der Umbau einer Straße in Münster mit Vorrang für Radfahrer soll 3,1 Mio. Euro kosten, gut ein Jahr zuvor waren es 1,5 Mio. Euro

Was ist passiert?

Die Piusallee verläuft vom Ring bis zum Hohen Heckenweg und gehört zur Veloroute 1, die Münster mit Greven verbindet. Zwischen Holsteiner Straße und Hohem Heckenweg soll sie zur „Fahrradstraße Plus“ werden: Radfahrer auf rotem Asphalt mitten auf der Fahrbahn, dazu breitere Gehwege und größere Baumscheiben. Ein Teilstück soll für Autos gesperrt werden, Busse dürfen weiter durch.

Dem Planungsbeschluss von 2025 lag eine Kostenschätzung von 1,5 Mio. Euro zugrunde. Gut ein Jahr später legte die Verwaltung den Baubeschluss vor, nun mit 3,1 Mio. Euro. Die Summe hat sich mehr als verdoppelt. Allein die Mehrkosten von 1,6 Mio. Euro (3,1 minus 1,5) liegen über der gesamten ursprünglichen Schätzung.

Als Gründe führt die Verwaltung die teurere Entsorgung belasteten Materials aus dem Straßenoberbau an, außerdem zusätzliche Ausbauflächen am Knotenpunkt Hoher Heckenweg, neue Bordsteine und eine aufwändigere Fahrbahneinengung. Ganz unvorhersehbar war davon wenig. Ein Bodengutachten zur Straße liegt seit März 2017 vor. Von 2021 bis 2024 war der Abschnitt für Kanal- und Leitungsbau ohnehin aufgerissen. Der erste Vorentwurf für den Knotenpunkt hatte eine wichtige Radverbindung schlicht nicht berücksichtigt, weshalb nachgeplant werden musste. Und bei der Autosperre ersetzte man die 2025 vorgesehenen Freiburger Kegel durch eine bauliche Einengung auf 4,50 Meter, die nun selbst als Kostentreiber in der Begründung steht.

Nach Darstellung der Verwaltung ist die Planung eine „minimale Variante“, die sich nicht weiter reduzieren lässt. Das erklärt allerdings nicht, warum die erste Zahl so weit danebenlag.

Von den 3,1 Mio. Euro soll das Land rund 1,3 Mio. Euro als Ersatz für entfallene Anliegerbeiträge übernehmen, weitere 360.000 Euro sollen aus Fördertöpfen kommen. Bei der Stadt bleiben 1,44 Mio. Euro. Ab 2029 rechnet sie zudem mit jährlichen Folgelasten von 88.600 Euro, das sind rund 243 Euro an jedem einzelnen Tag (88.600 : 365). Baubeginn soll im Herbst 2027 sein. Gebaut werden soll wieder unter Vollsperrung, und wieder sind Leitungsverlegungen für Glasfaser, Strom und Wasser vorgesehen.

Kritik

Eine Kostenschätzung, die sich binnen eines Jahres verdoppelt, taugte nicht als Grundlage für eine politische Entscheidung. Wer seit 2017 ein Bodengutachten in der Schublade hat und die Straße gerade drei Jahre lang für Kanäle geöffnet hatte, hätte den Zustand des Untergrunds kennen und von Anfang an einpreisen müssen. Leitungsbau und Straßenausbau hätten in einem Zug geplant werden sollen, statt dieselbe Straße zweimal hintereinander zur Baustelle zu machen. Dass die Stadt die einfache Sperre mit Kegeln zusätzlich durch einen teureren baulichen Engpass ersetzt, passt nicht zu ihrer Behauptung, bereits die günstigste Lösung vorzulegen.

V/0403/2026: VR1 Piusallee - Holsteiner Str. bis Hoher Heckenweg - Baubeschluss Straßenbau, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 17. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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