Staatsbilanz

Stadt/Münster/Teure Kleinigkeit

50.000 Euro für kosmetische Beete

In Münster-Nienberge sollen 250 Quadratmeter Beet für bis zu 50.000 Euro neu bepflanzt werden, also für 200 Euro je Quadratmeter, obwohl 40 von 42 Straßenbäumen daneben geschwächt sind.

Was ist passiert?

Nienberge liegt im Westen von Münster. Durch die Ortsmitte führt die Sebastianstraße, gesäumt von 42 Straßenbäumen, deren Baumscheiben teils mit Buchsbaum bepflanzt sind. Mehr Attraktivität und Aufenthaltsqualität wünschte sich dort die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung West und stellte im Januar 2025 einen Antrag.

Das Grünflächenamt hatte an dieser Stelle nichts vorgesehen, weil Geld und Personal fehlten. Angestoßen wurde die Planung nach eigener Aussage allein durch den politischen Antrag. Nach drei Stellungnahmen lag dennoch ein Vorschlag vor: Rund 250 Quadratmeter Beete sollen samt Wurzelwerk ausgeräumt und neu bepflanzt werden. Den Auftrag soll die niederländische Firma „Flower your place“ erhalten, da laut Marktrecherche kein deutsches Unternehmen eine vergleichbare Komplettleistung anbiete. Im November 2025 beantragte die CDU, dafür 50.000 Euro aus dem Budget „Ortsmitten Münster-West“ bereitzustellen.

Die bezifferten Posten ergeben 42.600 Euro: 24.000 Euro für die Bepflanzung, 7.500 Euro für Verkehrs- und Baumschutz beim Rückbau und 11.100 Euro für die Pflege in den ersten zwei Standjahren. Den Rückbau, die Kompostlieferung und das Gießen sollen zusätzlich städtische Mitarbeitende übernehmen. Schon ohne diese Eigenleistung kostet der Quadratmeter rund 170 Euro (42.600 Euro geteilt durch 250). Wird das Budget ausgeschöpft, sind es 200 Euro.

Aufschlussreich ist das Urteil des Fachamts über das eigene Vorhaben. Die Maßnahme sei „eher kosmetischer Natur“, und eine angemessene Unterhaltung könne unter den aktuellen Gegebenheiten nicht gewährleistet werden. Was nach dem zweiten Jahr aus den Beeten wird, bleibt also offen. Das eigentliche Problem liegt ohnehin tiefer: Von den 42 Bäumen sind 40 geschwächt und einer stark geschwächt. Ihnen setzen Hitze, Trockenheit, verdichteter Boden und zu wenig Wurzelraum zu. Helfen würden nur größere Baumscheiben. Diese seien im Rahmen des Projekts aber weder personell noch finanziell machbar. Beraten sollte die Bezirksvertretung im Januar 2026.

Kritik

Wer 50.000 Euro in eine Bepflanzung steckt, die das eigene Fachamt kosmetisch nennt und deren Pflege es nicht zusichern kann, kauft Blüte auf Zeit. Nach zwei bezahlten Pflegejahren droht die Fläche zu verwildern, während die Bäume darunter weiter leiden. Die Bezirksvertretung hätte das Geld zurückhalten sollen, bis die vom Grünflächenamt geforderte Gesamtplanung samt größeren Baumscheiben auf dem Tisch liegt. Dann wäre aus dem Budget für Ortsmitten etwas Dauerhaftes geworden statt eines teuren Beets.

A-W/0048/2025: Gestaltung Ortsmitte Nienberge, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 25. November 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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