Brunnen geschenkt, Wartung kostet 800.000 Euro
Münster bekommt die Sanierung eines Brunnens bezahlt, zahlt aber 800.000 Euro für 20 Jahre Wartung und kürzt dafür beim Umweltschutz
Was ist passiert?
Vor der Lambertikirche mitten in der Münsteraner Innenstadt steht der Lambertibrunnen, laut Verwaltung ein „bedeutendes städtisches Identifikationsobjekt“. Für die Sanierung wurde er bereits abgebaut und liegt derzeit in der Werkhalle eines Steinmetzbetriebs. Bis August 2027 soll er wieder in Betrieb gehen, und zwar so, wie er 1953 aussah: Sechs Weißwasserdüsen in der unteren Schale sollen das historische Wasserbild zurückbringen.
Für die Stadt klingt das zunächst nach einem guten Geschäft. Eine private Stiftung hatte anfangs 370.000 Euro zugesagt und übernimmt nun die gesamten Baukosten von bis zu 850.000 Euro. Darin stecken unter anderem 225.000 Euro für Brunnentechnik und ein neues unterirdisches Technikbauwerk sowie 170.000 Euro allein für die Planung, also jeder fünfte Euro.
Teuer wird es für die Stadt erst danach. Der neue Brunnen verlangt tägliche, wöchentliche und halbjährliche Wartungsroutinen, für die das zuständige Amt nach eigenen Angaben kein Personal hat. Die Arbeit soll deshalb vergeben werden, hinzu kommen Wasserstoffperoxid und Entkalker. Ab 2028 veranschlagt die Stadt dafür rund 40.000 Euro im Jahr. Über die angesetzte Nutzungsdauer von 20 Jahren sind das 800.000 Euro (20 mal 40.000 Euro), fast so viel, wie die Stiftung für den gesamten Umbau gibt. Pro Tag kostet der Betrieb damit rund 110 Euro.
Bemerkenswert ist, woher das Geld kommen soll. Die 40.000 Euro sollen laut Vorlage durch „Verzicht“ bei freiwilligen Leistungen und Zuwendungen im Bereich Umweltschutz, Klima und Nachhaltigkeit beschafft werden. Ausgerechnet dort wird also gekürzt, während die Vorlage dem Brunnen bescheinigt, er werde „in seiner Funktionsweise und Nachhaltigkeit deutlich verbessert“. Die Verwaltung betont außerdem, für die Stadt fielen „keine Investitionskosten“ an. Das stimmt, beschreibt aber nur die eine Hälfte der Rechnung.
Über den Baubeschluss sollte am 22. September 2026 der Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen entscheiden.
Kritik
Ein geschenkter Brunnen ist nur dann ein Geschenk, wenn sich die Stadt auch seinen Betrieb leisten kann. Münster lässt sich eine aufwendige Technik mit sechs Effektdüsen bauen und will die Folgekosten von 40.000 Euro im Jahr bezahlen, indem es bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekten kürzt. Vor dem Baubeschluss hätte die Stadt mit der Stiftung auch über die Betriebskosten verhandeln oder eine Ausführung wählen müssen, die sie dauerhaft unterhalten kann. Wer beim Klimaschutz streicht, damit Weißwasser sprudelt, setzt die Prioritäten falsch.
V/0395/2026: Lambertibrunnen Baubeschluss zur Sanierung, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 13. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.