Fünf Bücherschränke für 50.000 Euro
In Münster-Hiltrup sollen fünf Bücherschränke 50.000 Euro kosten, weil das Land erst ab dieser Summe zahlt. Ein Anbieter liefert ab 6.950 Euro
Was ist passiert?
Hiltrup ist ein Stadtbezirk im Süden von Münster, zu dem auch Amelsbüren und Berg Fidel gehören. Dort sollen nach dem Willen der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung fünf „kinderfreundliche Bücherschränke“ aufgestellt werden: drei in Hiltrup, je einer in Amelsbüren und Berg Fidel, etwa an Spielplätzen oder in Grünanlagen. Eltern und Kinder sollen dort gemeinsam Zeit verbringen, Generationen sich begegnen, die Lesefreude wachsen. Gepflegt werden sollen die Schränke von ehrenamtlichen Patinnen und Paten.
Die Fraktion veranschlagt rund 10.000 Euro pro Schrank, zusammen also 50.000 Euro. Diese Summe ist kein Zufall. Bezahlt werden soll aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für gute Infrastruktur 2025 bis 2036, und der verlangt ein Mindestinvestitionsvolumen von genau 50.000 Euro pro Maßnahme. Fünf Schränke an fünf Standorten in drei Ortsteilen sollen demnach als eine einzige Maßnahme gelten. Die Verwaltung soll den Förderantrag stellen, geeignete Standorte suchen und erst danach ermitteln, was das Ganze tatsächlich kostet.
Aufschlussreich ist, was dem Antrag selbst beiliegt: der Hinweis auf einen Anbieter, der solche Schränke ab 6.950 Euro einschließlich Aufstellung liefert, zuzüglich Transport und Informationstafel. Fünf Schränke kämen damit auf 34.750 Euro (5 x 6.950 Euro). Bis zur Fördergrenze bleiben 15.250 Euro, also 3.050 Euro je Schrank für Transport, eine Tafel und das Herrichten der Fläche. Was diese Posten wirklich kosten, weiß noch niemand. Die Zielsumme stand trotzdem schon fest.
Damit nicht genug: Der Bücherschrank könne der „erste Schritt“ zur Umgestaltung eines bestehenden Platzes sein, heißt es in der Begründung, samt ausreichend Sitzgelegenheiten. Folgekosten sind damit angelegt, beziffert sind sie nicht.
Kritik
Wer die Kosten eines Vorhabens an der Untergrenze eines Förderprogramms ausrichtet, plant vom Geldtopf her und nicht vom Bedarf. Fünf verstreute Bücherschränke zu einer Infrastrukturmaßnahme zu bündeln, nur damit die 50.000-Euro-Schwelle erreicht wird, unterläuft den Sinn einer solchen Mindestgröße. Auch Fördergeld ist Steuergeld, und ein großzügiger Ansatz wird nicht sparsamer, weil ein anderer Haushalt ihn bezahlt. Richtig wäre, zuerst Standorte und echte Kosten zu klären und die Schränke dann zum tatsächlichen Preis zu beschaffen.
A-H/0012/2026: Kinderfreundliche Bücher-Schränke in Hiltrup, Amelsbüren und Berg-Fidel, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 7. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.