Gelände gekauft, Feuerwehrhäuser müssen warten
Münster schiebt Bauarbeiten an 13 maroden Feuerwehrhäusern für 70,88 Mio. Euro auf, das Feuerwehrgeld steckt in einem Übungsgelände
Was ist passiert?
Münster stützt sich auf drei Wachen der Berufsfeuerwehr und auf 20 Feuerwehrhäuser der Freiwilligen Feuerwehr. Ein Gutachter hat diese Häuser für den Brandschutzbedarfsplan bewertet. Die Mängelliste ist lang: zu wenige Stellplätze, keine getrennten Umkleiden, Spinde direkt hinter den Fahrzeugen. Ganz oben auf der Wunschliste stand außerdem ein eigenes Aus- und Fortbildungszentrum. Dafür kaufte die Stadt ein Gelände am Kesslerweg.
Der Haken steckt in einem Nebensatz der Berichtsvorlage vom Sommer 2026. Den Kaufpreis bezahlte die Stadt im Wesentlichen aus dem Budget für Brandschutz und Hilfeleistung. Der Ausbau des Gebäudes lasse sich deshalb nur verwirklichen, wenn eine Refinanzierung gelingt. Woher dieses Geld kommen soll, verrät die Vorlage nicht. Vorerst sollen nur die Fahrzeug- und Übungshallen genutzt werden.
Zugleich schlägt die Verwaltung vor, die Bauten an den Feuerwehrhäusern wegen des Finanzstabilitätsprozesses in spätere Jahre zu schieben. Für 13 Häuser rechnet sie bis 2041 mit 70,88 Mio. Euro. Das sind im Schnitt rund 5,45 Mio. Euro je Haus (70,88 Mio. geteilt durch 13). Eingepreist ist eine Baukostensteigerung von 4 Prozent pro Jahr, jedes Jahr Aufschub verteuert die Rechnung also. Dabei gilt das Haus in Wolbeck, Baujahr 1962, seit geraumer Zeit als abgängig. Im Haus Altstadt stufte die Unfallkasse NRW im Jahr 2025 die Umkleiden hinter den Fahrzeugen und die fehlenden getrennten Toiletten als Organisationsverschulden ein. Abhilfe sollen vorerst Container schaffen, die die Mängel laut Vorlage nur „zum Teil“ mildern. Mit der Planung des Neubaus soll erst 2030 begonnen werden.
Wie lange in Münster ein Provisorium hält, zeigt die Wache an der Hansestraße. Seit 2010 arbeitet die Berufsfeuerwehr dort in einer angemieteten Gewerbehalle. Binnen fünf Jahren sollte eigentlich eine richtige Wache stehen. Fertig werden soll sie nun 2029. Aus fünf Jahren Übergang werden so 19, und in die gemietete Halle flossen inzwischen Teilsanierungen. In Kemper wiederum hat das Land der Feuerwehr ein neues Dekontaminationsfahrzeug zugeteilt. Es ist 3,50 m hoch und passt deshalb nicht sicher durch die ebenfalls 3,50 m hohen Tore.
Kritik
Wer das Brandschutzbudget für einen Immobilienkauf aufbraucht, ohne den Ausbau finanziert zu haben, erwirbt Übungshallen statt eines Ausbildungszentrums. Die Zeche zahlen die Löscheinheiten: Ihre Häuser rutschen nach hinten und werden mit jedem Jahr Aufschub teurer. Wo die Unfallkasse bereits ein Organisationsverschulden feststellt, sind Container und Provisorien keine Sparmaßnahme, sondern teure Dauerlösungen. Die Stadt hätte zuerst die Gesamtfinanzierung klären und die dringendsten Häuser vorziehen müssen.
V/0282/2026: 1. Fortschreibung Bericht zum Zeitplan der aus dem Brandschutzbedarfsplan resultierenden Baumaßnahmen, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 5. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.