Münster baut neue Brunnen, alte stehen trocken
Von 24 städtischen Brunnen lief 2025 nicht einmal die Hälfte, für ihren Unterhalt standen im Schnitt 17.000 Euro im Jahr bereit.
Was ist passiert?
Wasser auf Plätzen gehört in Münster zum Stadtbild, vom Domplatz bis zum Kiepenkerl. 24 Brunnen und Wasserspiele unterhält die Stadt. Laut Handlungskonzept Klimaanpassung sollen sie Plätze beleben und im Sommer die Umgebung kühlen.
Im vergangenen Jahr floss allerdings nur aus zehn von ihnen Wasser. Am Idenbrockplatz läuft die Technik heiß, ohne dass jemand den Fehler findet. Am Stadthaus 1 blockiert die Pumpe, seit bei einer Tiefgaragensanierung der Technikraum verdreckt wurde. Die Ursache nennt ein Zwischenbericht der Verwaltung vom Januar 2026. Für die Unterhaltung der Brunnen standen von 2016 bis 2025 im Mittel eine halbe Stelle und rund 17.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Fachleute aus dem Sanitär- oder Elektrohandwerk hat das zuständige Grünflächenamt nicht. Die Gärtner haben sich das Wissen selbst angeeignet, und mit jedem Ruhestand geht ein Stück davon verloren.
Wie knapp das bemessen ist, zeigt eine Markterkundung der Stadt. Fachfirmen veranschlagen nach Referenzwerten 30.000 bis 70.000 Euro je Brunnen und Jahr. Verteilt man die 17.000 Euro auf die zehn laufenden Anlagen, bleiben 1.700 Euro pro Brunnen. Das ist weniger als ein Siebzehntel des günstigsten Marktpreises. Auf 25 Anlagen hochgerechnet käme eine Fremdvergabe auf 750.000 bis 1,75 Millionen Euro jährlich.
Ein Ausweg war längst beschlossen. Schon 2012 sollten Brunnen stillgelegt werden, um den Haushalt zu entlasten. Nach Beschwerden aus Bürgerschaft und Politik blieb es allerdings beim Beschluss. Statt weniger Brunnen sollen es nun sogar mehr werden. Am Böckmannplatz soll im zweiten Quartal 2026 ein neuer Brunnen in Betrieb gehen, im Martiniviertel ist ein Fontänenfeld geplant. Das eigene Fachamt hält neue Anlagen für wenig sinnvoll, solange schon die vorhandenen nicht gepflegt werden können.
Kritik
Wer Brunnen mit 1.700 Euro im Jahr am Laufen halten will, plant den Verfall gleich mit ein. Neue Wasseranlagen zu bauen, während die alten trocken stehen, vergrößert nur die Folgekosten, für die niemand Geld hat. Münster hätte zuerst festlegen müssen, welche Brunnen es sich dauerhaft leisten kann, und für diese ein verlässliches Budget bereitstellen. Den Rest stillzulegen, wie schon 2012 beschlossen, wäre ehrlicher als eine Stadt voller leerer Becken.
V/0058/2026: Zwischenbericht zur Sanierung und Unterhaltung der städtischen Brunnen, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 16. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.