612.000 Euro Steuergeld für Domlampen
Das Land NRW und die Stadt geben in Münster 612.000 Euro für Lampen aus, die den Dom anstrahlen. Die Kirche besitzt sie, zahlt aber nur 153.000 Euro
Was ist passiert?
Der St.-Paulus-Dom steht mitten auf dem Domplatz und prägt die gesamte Altstadt. Nachts wird er bislang von Strahlern angeleuchtet, die an Masten auf dem Platz, an der Kettelerschen Kurie und auf dem Dach des Freiherr-von-Vincke-Hauses hängen. Die Anlage arbeitet mit Natriumhochdrucklampen, die schrittweise vom Markt verschwinden. Dom und unmittelbares Umfeld gehören dem Domkapitel.
Das Domkapitel hat zusammen mit dem Bischöflichen Generalvikariat ein neues Konzept erarbeiten lassen: LED-Leuchten direkt am Gebäude, Bodenstrahler rund um den Dom, insektenfreundliche Gehäuse, steuerbare Lichtszenen und eine plastischere Wirkung der Fassade. Auch dunkle Ecken, die laut Verwaltung zum Urinieren einladen, sollen künftig ausgeleuchtet werden. Die Kostenprognose vom April 2026 nennt rund 765.000 Euro brutto. Bauherr ist das Domkapitel, nach Fertigstellung soll ihm die Anlage auch gehören.
Bezahlen soll aber vor allem die öffentliche Hand. Das Domkapitel will 20 Prozent übernehmen, rund 153.000 Euro, und selbst das nur vorbehaltlich der Zustimmung kirchlicher Gremien. Die übrigen 612.000 Euro teilen sich das Land NRW mit 367.200 Euro Städtebauförderung und die Stadt Münster mit 244.800 Euro aus dem eigenen Haushalt. Die Stadt soll beide Beträge an das Domkapitel weiterleiten. Auf jeden Euro des Eigentümers kommen damit vier Euro Steuergeld (612.000 geteilt durch 153.000). Allein der städtische Anteil liegt rund 91.800 Euro über dem des Domkapitels.
Als Begründung führt die Verwaltung Klimaschutz, Energieeffizienz und das Stadtbild an. Die Gesamtleistung der Anlage sinkt allerdings nur von 6,2 auf 5,9 Kilowatt, also um knapp 5 Prozent. Weitere Einsparungen sollen über Steuerung und Lichtszenen kommen. Den Strom bezahlt bisher allein die Stadt, künftig soll sie die Hälfte tragen. Betrieb und Unterhalt übernimmt das Domkapitel. Für den eigenen Haushalt rechnet Münster ab 2028 mit Folgelasten von 9.790 Euro im Jahr. Entscheiden sollte der Rat am 7. Oktober 2026.
Kritik
Wer eine Anlage am Ende besitzt, sollte auch den größten Teil davon bezahlen. In Münster trägt das Domkapitel ein Fünftel, Stadt und Land tragen vier Fünftel einer Beleuchtung, die nach Fertigstellung der Kirche gehört. Dass der Dom das Stadtbild prägt, rechtfertigt keine 612.000 Euro Steuergeld für eine Anlage, deren Leistung nur um knapp 5 Prozent sinkt und die vor allem schöner aussehen soll. Die Stadt hätte auf einem deutlich höheren Anteil des Eigentümers bestehen müssen.
V/0205/2026: Innenstadt stärken: Umgestaltung von Domplatz/-quartier - Umsetzung Außenbeleuchtung St. Paulus Dom, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 1. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.