Münster stopft Millionen in marode Baufirma
Münsters städtische Firma für Strom- und Wasserleitungen steckt 4,4 Millionen Euro in eine Baufirma mit mehr Schulden als Vermögen
Was ist passiert?
Münster (NRW). Die Stadtnetze Münster GmbH gehört über die Stadtwerke vollständig zum städtischen Konzern. Sie betreibt Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmenetze sowie die Wasserwerke der Stadt. Der Ausbau dieser Netze erfordert viele Baustellen, und Tief- und Leitungsbaufirmen sind nach Angaben des Unternehmens stark ausgelastet. Deshalb wollte man sich Baukapazität im eigenen Haus sichern. Zum 31. Januar 2024 erwarben die Stadtnetze 51 Prozent am Münsteraner Tief- und Rohrleitungsbauunternehmen Seck GmbH. Der Preis betrug 1,53 Millionen Euro. Das klang nach kluger Vorsorge.
Am Ende des ersten gemeinsamen Jahres sah die neue Tochter allerdings anders aus. Zum 31. Dezember 2024 wies die Seck GmbH ein negatives Eigenkapital von 2,22 Millionen Euro aus. Ihre Schulden überstiegen also ihr Vermögen. Auch die Wirtschaftsplanung der Firma selbst verspricht nur langsam besser werdende Jahresergebnisse. Im Jahresabschluss 2025 schrieben die Stadtnetze die Anteile deshalb außerplanmäßig um 500.000 Euro ab. Knapp zwei Jahre nach dem Kauf ist damit fast ein Drittel des Kaufpreises dahin (500.000 von 1,53 Millionen Euro).
Bemerkenswert ist, was im selben Jahr geschah. Seck hatte bereits ein Darlehen über 2 Millionen Euro erhalten. 2025 gewährten die Stadtnetze ein weiteres über 1,5 Millionen Euro, dessen Tilgung erst im März 2029 beginnt. Ende 2025 standen 3,39 Millionen Euro an Darlehen in den Büchern. Das ist mehr als dreimal so viel wie der verbliebene Wert der Anteile von 1,03 Millionen Euro. Zusammen stecken damit 4,42 Millionen Euro (1,03 plus 3,39 Millionen) in einem Unternehmen mit negativem Eigenkapital.
An Zinsen flossen 2025 rund 102.000 Euro zurück. Das entspricht gerade einmal einem Fünftel der Abschreibung. Jeder hier verlorene Euro schmälert den Gewinn, den die Stadtnetze an die Stadtwerke abführen. Für 2025 waren das 14,1 Millionen Euro und damit 4 Millionen weniger als geplant.
Kritik
Wer die Anteile an einer Firma abwertet und ihr im selben Jahr weitere 1,5 Millionen Euro leiht, schiebt gutes Geld dem schlechten hinterher. Ein städtisches Netzunternehmen ist keine Sanierungsbank für eine angeschlagene Baufirma. Bevor man sich Baukapazität per Firmenkauf sichert, muss feststehen, dass das Unternehmen auf eigenen Beinen steht; sonst wird aus der Vorsorge ein Zuschussgeschäft. Die Aufsichtsgremien sollten eine klare Grenze für weitere Hilfen ziehen, statt neue Darlehen durchzuwinken.
V/0352/2026: Stadtnetze Münster GmbH: Jahresabschluss 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 4. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.