Staatsbilanz

Stadt/Münster/Fehlplanung

Münster zahlt Miete für leere Kitas

Münster will bis zu 4,8 Mio. Euro Steuergeld zahlen, damit Kitas ohne Kinder ihre Miete und laufenden Kosten decken können

Was ist passiert?

Jahrelang war ein Kitaplatz in Münster knapp. Viele Eltern kamen erst im Nachrückverfahren zum Zug, 2017 wurde die Stadt erstmals auf einen Platz verklagt. Also baute Münster kräftig aus und ließ Kitas in neuen Baugebieten möglichst schon vor den Wohnhäusern errichten, damit zuziehende Familien sofort einen Platz finden.

Nun stehen die Kitas, nur die Kinder fehlen. Nach der Vergabe 2025 blieben erstmals Plätze frei, besonders in Coerde, Kinderhaus und Gremmendorf. In Kinderhaus haben fast alle Einrichtungen Lücken. Die Kita für das Baugebiet Langebusch ist fertig, die Häuser folgen erst nach und nach. Im York-Quartier sind vier von fünf geplanten Kitas gebaut, während Vermietung und Verkauf der Wohnungen gerade erst begonnen haben.

Dazu kommen Prognosen, die vor allem bei Kleinkindern regelmäßig zu hoch lagen. Ende 2024 lebten 403 Kinder unter drei Jahren weniger in der Stadt als erwartet. Eine Elternbefragung von 2022 hatte für 83 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsbedarf ermittelt. Inzwischen hält die Verwaltung selbst diesen Wert für überzeichnet. Die angenommenen Belegungsdichten der Neubaugebiete seien regelmäßig überprüft und angepasst worden, heißt es. Am Ergebnis hat das offenbar wenig geändert.

Weil das Land nur belegte Plätze finanziert, fehlt den Trägern nun Geld für Miete und Fixkosten. Damit keiner aufgibt, soll die Stadt von 2026 bis 2028 jährlich bis zu 1,6 Mio. Euro freiwillig zuschießen, zusammen bis zu 4,8 Mio. Euro. Im Haushaltsentwurf ist das Geld nicht eingeplant, es soll an anderer Stelle eingespart werden. Laut Musterrechnung der Verwaltung kostet allein der Mietzuschuss für eine komplett leere Gruppe unter Dreijähriger bei einem freien Träger bis zu 23.694,90 Euro im Jahr. Die jährliche Summe reicht damit für rund 67 solcher Gruppen (1,6 Mio. Euro geteilt durch 23.694,90 Euro).

Künftig sollen Kitas nicht mehr zwingend vor der Bebauung entstehen. In Angelmodde wird das bereits erprobt: Dort wurde die Eröffnung einer siebengruppigen Kita um ein Jahr verschoben, weil die Häuser nebenan nicht rechtzeitig fertig werden.

Kritik

Eine Kita, die vor ihren künftigen Nutzern fertig ist, zeugt nicht von Vorsorge, sondern von mangelhafter Abstimmung zwischen Bauplanung und Jugendhilfeplanung. Wer über Jahre mit zu hohen Kinderzahlen rechnet, muss seine Annahmen korrigieren, bevor gebaut wird, und nicht erst, wenn die Gruppenräume leer bleiben. Nun zahlen die Steuerzahler bis zu 4,8 Mio. Euro für Miete und Nebenkosten unbesetzter Plätze. Kitas sollten erst dann in Betrieb gehen, wenn absehbar ist, dass in die Nachbarhäuser auch tatsächlich Familien einziehen.

V/0655/2025: Strategien zur zukünftigen Planung der Kindertageseinrichtungen der Stadt Münster: Maßnahmen für ein stabiles und nachhaltiges Bildungs- und Betreuungsangebot., Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 19. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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