Münsters Altstadtbrunnen wird fast dreimal so teuer
Münster wollte den Brunnen vor St. Lamberti für 247.000 Euro abdichten, nun kostet er 680.000 Euro, mit neuen Fontänen und Pflaster
Was ist passiert?
Mitten in der Altstadt, auf dem Kirchplatz vor St. Lamberti, steht der Lamberti-Brunnen. 2022 beschloss der Rat ein Sanierungskonzept für die städtischen Brunnen, und dieser sollte im Bezirk Mitte zuerst an die Reihe kommen. Geplant waren neue Wassertechnik in einem unterirdischen Bauwerk, abgedichtete Becken und Rinne sowie bessere Wasserhygiene. Die Brunnenschale selbst sollte stehen bleiben. Veranschlagt waren 247.000 Euro, Planungskosten nicht eingerechnet.
Dann stieß die Verwaltung auf einen Kampfmittel-Verdachtspunkt direkt neben dem Brunnen. Das Bohrraster für die Suche reicht teilweise unter das Bauwerk. Also muss der Brunnen erst abgebaut werden, bevor überhaupt sondiert werden kann. Wird etwas gefunden, droht im Herbst 2026 eine Räumung, womöglich mit Evakuierung der umliegenden Innenstadt. Fertig sein soll der Brunnen im Sommer 2027.
In dem erzwungenen Abbau sieht die Verwaltung vor allem eine Gelegenheit. Wenn der Brunnen schon zerlegt ist, sollen nach dem Vorbild eines Fotos von 1953 gleich sechs Quellfontänen zurückkehren. Außerdem sollen die Skulpturen gereinigt, der um 1,5 bis 2 Zentimeter schiefe Rand begradigt und das angrenzende Pflaster angeglichen werden. Auch die Fugen sollen nun tief abgedichtet werden, denn bei den Arbeiten im ersten Sanierungsschritt war das nur oberflächlich gelungen.
Die neue Rechnung beläuft sich auf 850.000 Euro, davon 170.000 Euro für die Planung. Ohne Planung bleiben 680.000 Euro, rund das 2,75-Fache der Summe von 2022 (680.000 geteilt durch 247.000). Allein die Wiederherstellung des Platzes schlägt mit 175.000 Euro zu Buche, die Suche nach Kampfmitteln samt Bodendenkmalpflege dagegen nur mit 90.000 Euro.
370.000 Euro soll eine private Stiftung zuschießen, 120.000 Euro davon sind bereits eingegangen. Bei der Stadt bleiben 480.000 Euro. Das ist fast doppelt so viel wie die gesamte Schätzung von 2022, die freilich noch ohne Planungskosten auskam. Ein Angebot der Kirchengemeinde, die Technik in einem bestehenden Kellergang unterzubringen, ließ die Verwaltung prüfen und verwarf es dann. Das Einsparpotenzial sei nicht zu beziffern und dürfte eher gering ausfallen.
Kritik
Dass ein Bombenverdacht den Abbau des Brunnens erzwingt, kann man der Stadt nicht vorwerfen. Wohl aber, dass sie diesen Zwang nutzt, um aus einer Techniksanierung eine Komplettrestaurierung samt historischem Wasserbild zu machen. Ein Brunnen, der wieder dicht ist und sauberes Wasser führt, hätte gereicht. Fontänen, Skulpturenpflege und neues Pflaster hätten warten können oder vollständig von der Stiftung bezahlt werden müssen.
V/0099/2026: Lamberti-Brunnen Grundsatzbeschluss zur Sanierung, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 30. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.