Münsters Stadtfirma bangt um 5,3 Millionen Euro
Eine Stadtfirma in Münster baute Straßen auf Bauland des städtischen Wohnungsunternehmens und bangt nun um 5,3 Mio. Euro Kostenerstattung
Was ist passiert?
Auf den Flächen der ehemaligen Kasernen Oxford und York sollen bis 2032 zwei neue Quartiere mit Platz für rund 3.000 Wohnungen entstehen. Zuständig ist die KonvOY GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt Münster. Sie macht die Grundstücke baureif, erschließt sie und verkauft sie an Bauherren. Zusätzlich erschließt sie Flächen, die der Wohn + Stadtbau gehören, dem städtischen Wohnungsunternehmen.
Beim Verkaufen lief es 2025 sogar besser als geplant: Grundstücke für knapp 22 Mio. Euro fanden Käufer. Erwartet hatte die Gesellschaft einen Überschuss von 5,3 Mio. Euro. Am Jahresende stand trotzdem ein Fehlbetrag von 3,0 Mio. Euro. Den Ausschlag gab eine Abschreibung von 5,3 Mio. Euro auf die noch nicht abgerechneten Erschließungsarbeiten für fremde Grundstücke. Laut Anhang ist nicht gesichert, dass sich die Erlöse dafür vollumfänglich durchsetzen lassen. Auftraggeberin dieser Arbeiten ist vor allem die Wohn + Stadtbau. Eine Stadttochter rechnet also nicht mehr fest damit, dass die andere Stadttochter ihre Kosten vollständig erstattet.
Die Geschäftsführung nennt das Jahr dennoch zufriedenstellend. Ohne die Abschreibung und einige weitere Sondereffekte bleibe ein Plus von 1,4 Mio. Euro. Gemessen daran verschlingt die Abschreibung fast vier solcher Jahresergebnisse (5,37 Mio. Euro geteilt durch 1,39 Mio. Euro). Man arbeite „mit Nachdruck“ an einer Lösung und sehe Potenzial für eine Wertaufholung.
Das Stammkapital von 500.000 Euro war bereits 2019 durch Verluste aufgezehrt, der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag stieg nun auf 8,6 Mio. Euro. Die laufenden Arbeiten finanziert die Stadt: 2025 kamen zwei weitere Darlehen über zusammen 15 Mio. Euro hinzu, getilgt wurde nichts. Der Darlehensstand liegt bei 78,9 Mio. Euro, rechnerisch gut 26.000 Euro je geplanter Wohnung (78,9 Mio. Euro geteilt durch 3.000). Dass die Zinsen an die Stadt sanken, lag an gestundeten Zinszahlungen. Straßen, Kanäle und Grünflächen muss die KonvOY nach Abschluss unentgeltlich an die Stadt übergeben. Ihre Kosten müssen allein über die Grundstückspreise wieder hereinkommen.
Kritik
Wer für eine Schwestergesellschaft Erschließungsarbeiten in Millionenhöhe ausführt, ohne sicher zu sein, dass die Kosten erstattet werden, wirtschaftet auf Kosten der Eigentümerin. Ob am Ende die KonvOY oder die Wohn + Stadtbau die Lücke trägt, ist für die Steuerzahler gleich: In beiden Fällen ist es Geld der Stadt Münster. Als Eigentümerin beider Gesellschaften hätte die Stadt dafür sorgen müssen, dass die Erstattung verbindlich geregelt und an die tatsächlichen Kosten gekoppelt ist. Ein Jahr mit 5,3 Mio. Euro Abschreibung, ungetilgten Stadtdarlehen und gestundeten Zinsen als zufriedenstellend zu bezeichnen, beschönigt die Lage.
V/0423/2026: KonvOY GmbH: Jahresabschluss 2025; Bestellung des Abschlussprüfers für den Jahresabschluss 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 23. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.