Staatsbilanz

Stadt/Münster/Kostensteigerung

Verkehrsinsel in Münster kostet siebenmal mehr

In Münster kostet eine Verkehrsinsel für Schüler nun 150.000 statt 21.000 Euro, weil vor dem Beschluss niemand nachgemessen hatte

Was ist passiert?

Münster (NW). Im Stadtteil Kinderhaus führen der Rosa-Posekardt-Weg und der Gustav-Wentker-Weg durch die Grünzüge am Kinderbach. Dazwischen liegt die Kristiansandstraße. Viele Schüler auf dem Weg zum Schulzentrum und Sportler auf dem Weg zum SC Westfalia Kinderhaus überqueren sie hier. Eine Mittelinsel soll ihnen das sicherer machen. Dass es sie bis heute nicht gibt, liegt nicht an fehlenden Beschlüssen.

Bereits im Februar 2019 erteilte die Bezirksvertretung Münster-Nord einen Prüfauftrag. Im Juni 2021 folgte der Baubeschluss, eingebettet in einen Listenbeschluss über das Maßnahmenprogramm des Bezirks. Veranschlagt waren rund 21.000 Euro. Der Fahrbahnteiler sollte sich kostengünstig in die vorhandene Fahrbahn einfügen. So weit der Plan.

Erst bei der weiteren Planung wurde die Stelle vermessen und geprüft, ob Fahrzeuge um die Insel herumkommen. Das Ergebnis: Neben dem Fahrbahnteiler bleibt nicht genug Fahrbahnbreite. Unter anderem braucht die Zufahrt zur Feuerwache Kinderhaus ausreichend Raum zum Abbiegen. Die Insel muss deshalb etwas von der Wegachse abrücken, der südliche Hochbord soll um 50 Zentimeter verschoben werden. Hinzu kommen eine barrierefreie Ausstattung mit taktilem Leitsystem und eine getrennte Führung für Fußgänger und Radfahrer.

Ende 2025 legte die Verwaltung daher einen neuen Baubeschluss vor. Die Kosten liegen nun bei rund 150.000 Euro, gut das Siebenfache des ersten Ansatzes (150.000 geteilt durch 21.000 ergibt rund 7,1). Laut Vorlage ist das bereits die minimale Variante, weiter reduzieren lasse sich nichts. 75 Prozent sollen als Landesförderung fließen. Doch schon der verbleibende städtische Eigenanteil von 37.500 Euro ist fast doppelt so hoch wie der gesamte ursprüngliche Ansatz (37.500 geteilt durch 21.000 ergibt rund 1,8).

Gebaut werden soll 2027, und auch das nur, falls die Förderung bewilligt wird. Die Bauzeit wird auf rund zwei Monate geschätzt. Zwischen Prüfauftrag und Bau lägen damit acht Jahre.

Kritik

Ein Baubeschluss ist nur so belastbar wie die Zahlen, auf denen er beruht. Hier wurde 2021 eine Mittelinsel beschlossen, ohne dass geklärt war, ob sie überhaupt auf die Straße passt. Vermessung und Befahrbarkeitsprüfung gehören vor den Beschluss, nicht dahinter. So entschied die Bezirksvertretung über eine Summe, die mit dem tatsächlichen Bauwerk wenig zu tun hatte, und die Menschen, die die Straße täglich queren, warten seit Jahren.

V/0608/2025: Kristiansandstraße - Querungshilfe Rosa-Posekardt-Weg, Ratsinformationssystem der Stadt Münster, 16. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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