Nürnberg: Secondhand-Laden für 3 Mio. Euro
Nürnberg will ein weiteres Kaufhaus für gebrauchte Waren eröffnen, das in fünf Jahren 3 Millionen Euro Verlust macht und über die Müllgebühr bezahlt wird
Was ist passiert?
In der Stadt gibt es bereits ein großes Angebot an Secondhand-Läden. Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) betreibt im Auftrag des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs (ASN) ein Gebrauchtwarenkaufhaus und die Wertstoffhöfe. Nun soll der ASN zusätzlich ein „Zirkuläres Kaufhaus“ in der Innenstadt aufbauen: 300 bis 500 Quadratmeter mit Gebrauchtwaren, Upcycling-Produkten, Leihmodellen, Repair-Café und Workshops. Die Eröffnung ist für 2027 vorgesehen.
Die Verwaltung sieht darin einen Beitrag zur Abfallvermeidung und zur Belebung der Innenstadt. Außerdem erkennt sie eine Marktlücke bei Menschen, die weder aus Bedürftigkeit noch aus Überzeugung gebraucht kaufen. So weit die Idee.
Die Rechnung der beauftragten Beratungsfirma BBE sieht anders aus. Im ersten Jahr stehen Einnahmen von 215.000 Euro Kosten von 870.000 Euro gegenüber. Allein das BRK-Personal (sechs Vollzeitstellen, davon zwei für die Wertstoffhöfe) soll 570.000 Euro jährlich kosten, fest für fünf Jahre. Das ist fast dreimal so viel wie die erwarteten Verkaufserlöse von 195.000 Euro (570.000 : 195.000 ≈ 2,9). Der Fehlbetrag beträgt im ersten Jahr 655.000 Euro, im fünften Jahr immer noch 566.000 Euro. Über fünf Jahre kommen 3,01 Mio. Euro zusammen (655.000 + 606.000 + 600.000 + 583.000 + 566.000). Im ersten Jahr sind das rund 1.800 Euro Defizit pro Kalendertag (655.000 : 365). Hinzu kommen etwa 360.000 Euro Anschubfinanzierung, wovon 100.000 Euro bereits im Haushalt 2026 bewilligt sind.
Ausgleichen sollen das die Gebührenzahler. Das Rechtsamt hält die Umlage für zulässig. Die Gebühr für eine 60-Liter-Tonne soll um höchstens 2 Euro im Jahr steigen, das wären rund 1 Prozent. Dass genug brauchbare Ware zusammenkommt, ist dabei noch nicht gesichert: An den Wertstoffhöfen fallen bisher nur vernachlässigbare Mengen an. Die Vorlage vom 29. April 2026 sollte zunächst die Vorbereitung und 1,5 neue Stellen beim ASN beschließen. Wie der Ausschuss entschied, ist offen.
Kritik
Ein Betrieb, der im günstigsten Jahr nur gut ein Drittel seiner Kosten selbst einspielt, ist kein Pilotversuch, sondern eine Dauersubvention über die Müllgebühr. Dass die Umlage rechtlich möglich ist, beantwortet nicht, ob sie sinnvoll ist. Bevor ein weiterer Laden samt eigener Leitung entsteht, sollte geprüft werden, ob sich Wiederverwendung über das vorhandene Kaufhaus und die Wertstoffhöfe günstiger steigern lässt. Die Personalkosten des Partners sollten nicht für fünf Jahre festgeschrieben werden, solange niemand weiß, ob die Verkaufserlöse erreicht werden.
Ref.III/005/2026: Ein "Zirkuläres Kaufhaus" für Nürnberg, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.