Staatsbilanz

Stadt/Pforzheim/Fehlender Bedarf

2,5 Millionen Euro ohne Geld im Haushalt

Pforzheim will ein altes Gästehaus für 2,5 Millionen Euro zum Wohnheim für Azubis umbauen, doch bis 2031 ist dafür kein Geld eingeplant

Was ist passiert?

In der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 79 steht das frühere Gästehaus des Internationalen Bundes, auf städtischem Grund. Zuletzt diente es im Winter bis März 2026 als Notunterkunft für Wohnungslose. Sein Standard sei so niedrig, heißt es in der Vorlage, dass es sonst „ohne Nutzungsoption“ sei. Auf Antrag der CDU-Fraktion soll daraus nun ein Wohnheim für Auszubildende werden.

Zunächst soll eine Machbarkeitsstudie für rund 25.000 Euro klären, ob das geht. Der Umbau zu bis zu 30 Wohneinheiten mit eigener Nasszelle wird auf 2,43 Mio. Euro geschätzt, im Fließtext auf 2,5 Mio. Euro. Das sind gut 81.000 Euro je Wohneinheit (2.431.650 Euro geteilt durch 30). Die Schätzung stützt sich auf Richtwerte eines Baukostenwerks von 2021. Angesetzt wurde der Höchstwert der Spanne, hochindexiert und auf 600 Euro je Kubikmeter aufgerundet, dazu 30 Prozent Nebenkosten.

Die Stadt setzt auf das Landesprogramm „Junges Wohnen“: bis zu 31.500 Euro je Platz, insgesamt bis zu 945.000 Euro. Das wären knapp 38 Prozent der Kosten (945.000 Euro geteilt durch 2,5 Mio. Euro). Rund 1,56 Mio. Euro blieben bei der Stadt, sofern nicht weitere Zuschüsse von Bund oder Land hinzukommen. Die Verwaltung erwartet trotzdem einen „sehr hohen Förderanteil“. Im CDU-Antrag war noch von bis zu 53.900 Euro je Platz die Rede. Als Gegenleistung muss das Haus in der Regel 30 Jahre an Auszubildende vermietet werden.

Der Haken steht im Kleingedruckten: Ein Umbau ist im Haushalt bis 2031 nicht vorgesehen. Ein Planungsbeschluss werde deshalb bereits beschlossene Projekte beeinflussen und sie „möglicherweise substituieren“. Welche das sind, sagt die Vorlage nicht. Zum Bedarf an Azubi-Wohnplätzen finden sich keine Zahlen. Das Betriebskonzept soll erst mit dem Planungsbeschluss im ersten Quartal 2027 folgen, der Baubeschluss schon im Sommer 2027. Als Alternative nennt die Vorlage den Abbruch des Gebäudes.

Kritik

Wer 2,5 Mio. Euro plant, ohne dass das Geld im Haushalt bis 2031 steht, schiebt die Rechnung anderen beschlossenen Projekten zu. Die Förderung ist mit bis zu 31.500 Euro je Platz deutlich niedriger als die 53.900 Euro, mit denen der Antrag warb, und lässt der Stadt rund 1,56 Mio. Euro Eigenanteil. Vor der Studie hätte die Stadt den Bedarf bei Betrieben und Auszubildenden erheben und die Verdrängung konkreter Projekte benennen müssen. Erst dann ist eine Planung für 25.000 Euro vertretbar, vorher ist sie der erste Schritt in ein Projekt ohne Finanzierung.

2000416: Nutzung bestehender Immobilien für ein Ausbildungswohnheim, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 11. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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