7 Millionen für ein Kraftwerk zu viel
Pforzheim plant auf dem Klärwerk für über 7 Millionen Euro drei Gasmotoren, obwohl die eigene Studie zwei empfiehlt; der dritte deckt nur ein Viertel des Notstroms
Was ist passiert?
Die Pforzheimer Kläranlage erzeugt aus dem Klärschlamm jedes Jahr rund 1,7 Mio. Kubikmeter Klärgas. Bisher verkauft die Stadtentwässerung es an das Heizkraftwerk der Stadtwerke und bezieht von dort die Fernwärme für den Faulturm. Weil die Energiepreise stiegen, soll das Gas künftig selbst verstromt werden, in Blockheizkraftwerken direkt auf dem Klärwerk. Den Liefervertrag aus dem Jahr 2001 will die Verwaltung dafür zu gegebener Zeit kündigen.
Was das kosten soll, ist deutlich: Die Baukosten der Vorzugsvariante mit drei Modulen zu je 330 kW liegen laut Anhang bei 6,012 Mio. Euro. Dazu kommen 1,076 Mio. Euro für ein Diesel-Notstromaggregat, zusammen gut 7 Mio. Euro. Im Schnitt kostet jedes Modul damit rund 2 Mio. Euro (6,012 Mio. : 3).
Die eigene Studie sieht allerdings eine andere Variante vorn: Mit zwei Modulen schneidet die Anlage wirtschaftlich am besten ab. Für das dritte Modul führt die Verwaltung die Notstromversorgung an. Es soll als Reserve bereitstehen, weil ein laufendes Modul bei Stromausfall von selbst abschaltet. Doch der Nutzen ist begrenzt. Das Reservemodul könnte im Ernstfall rund 265 kW liefern, der künftige Notstrombedarf wird auf etwa 1.000 kW geschätzt. Das ist gut ein Viertel (265 : 1.000). Den Rest soll ohnehin das Dieselaggregat decken, das für bis zu 72 Stunden ausgelegt ist.
Der Werkeausschuss sollte am 28. September 2026 zunächst nur die Suche nach einem Planungsbüro beschließen. Über den Bau soll erst nach der Entwurfsplanung entschieden werden. Wie die Sitzung ausging, ist nicht bekannt.
Kritik
Wer ein Notstromaggregat mit Dieselantrieb ohnehin bauen muss, sollte kein drittes Kraftwerksmodul bezahlen, das davon nur ein Viertel abnimmt. Die Stadt wählt bewusst die Variante, die ihre eigene Studie als weniger wirtschaftlich ausweist, und begründet das mit einer Sicherheit, die das Dieselaggregat bereits bietet. Vor der Entwurfsplanung hätte sie ehrlich gegenrechnen müssen, was die zusätzliche Reserve im Jahr und bei der Investition kostet. Solange das offen ist, drohen Mehrkosten, die am Ende über die Abwassergebühren bezahlt werden.
2000665: Planung und Bau eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) auf der Kläranlage Pforzheim zur Eigenenergieerzeugung einschließlich einer Notstromversorgung, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 28. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.