Staatsbilanz

Stadt/Potsdam/Fehlender Bedarf

Potsdam plant Wohnungsagentur ohne Geld

Potsdam will bis 2030 knapp 2,4 Millionen Euro für eine Agentur gegen leere Zimmer ausgeben, doch die versprochenen 10 Millionen Ersparnis gibt es nicht

Was ist passiert?

In der Landeshauptstadt ist der Wohnungsmarkt angespannt. 2025 wurden nur noch 908 Wohnungen fertiggestellt, und die Haushaltslage zwingt die Stadt nach Darstellung der Verwaltung zu günstigeren Wegen. Die Oberbürgermeisterin will deshalb 2027 eine Wohnraumagentur aufbauen. Sie soll ungenutzten Wohnraum mobilisieren, etwa das leere Kinderzimmer älterer Menschen. Geplant sind Azubiwohnen nach dem Modell „Wohnen für Hilfe“ und eine Umbauberatung, ab 2028 kommen „Sicheres Vermieten“ mit Mietgarantie und Renovierungszuschuss sowie Umzugskonzepte dazu. Die Vorlage nennt das eine „Investition ins Sparen“.

Die Rechnung beginnt mit Ausgaben. Bis 2030 sind 2.001.000 Euro Aufwand und 396.000 Euro investive Auszahlungen vorgesehen, zusammen knapp 2,4 Mio. Euro. Beides weicht in voller Höhe vom Planansatz ab. Ein Unterprodukt, das die Mittel deckt, ist nicht eingetragen, dafür steht ein Haushaltsvorbehalt in der Vorlage. Das Personal soll „möglichst“ aus bestehenden oder beschlossenen Stellen kommen.

Dem steht ein Nutzen von 10 Mio. Euro im Jahr 2030 gegenüber. Er ergibt sich aus 100 vermittelten Menschen, multipliziert mit rund 100.000 Euro für einen neu gebauten Wohnheimplatz. Das wäre gut das Vierfache der 2,4 Mio. Euro (10 Mio. : 2,4 Mio.). Doch an den 100 Menschen ist die Stadt nur zum Teil beteiligt. Für sie selbst sind 40 vermittelte Auszubildende vorgesehen. Der Rest soll über das Studierendenwerk laufen, das mit einer Dreiviertelstelle heute etwa 20 Studierende im Jahr unterbringt. Für Auszubildende, räumt die Vorlage selbst ein, fehlt die Neubau-Alternative „weitgehend“. Wo kein Wohnheim geplant war, wird auch keines erspart. Im Haushalt kommt von den 10 Mio. Euro nichts an.

Kritik

Wohnraum besser zu nutzen ist sozial sinnvoll, aber die Agentur wird mit Ersparnissen begründet, die in keinem Haushalt auftauchen. Eine Stadt, die ihre Haushaltslage als Zwang beschreibt, sollte keine 2,4 Mio. Euro ohne benannte Deckung zusagen. Sinnvoller wäre ein kleiner Start mit einer Stelle aus dem Bestand, deren Vermittlungserfolge man misst, bevor Zuschüsse und Budgets folgen. Als Nutzen sollten nur tatsächlich sinkende Ausgaben zählen, etwa für die Unterbringung Wohnungsloser, nicht ein Neubau, der nie geplant war.

2008734: Aufbau der Wohnraumagentur, Ratsinformationssystem der Stadt Potsdam, 23. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Potsdam

  1. 08.10.2026Potsdam Potsdam: 816.900 Euro für Rasenmähen am Straßenrand 816.900 € Potsdam vergab das Mähen der Straßenränder ohne öffentliche Ausschreibung, die Aufträge an die Stadtfirma stiegen von 59.000 auf 816.900 Euro
  2. 01.07.2026PotsdamAusgabe mit Nachfrage 268.431 Euro für ein Haus mit Abrissplan 268.431 € Potsdam zahlt für den Boden unter dem Kunsthaus neben der Garnisonkirche bis 2033 jährlich 38.347 Euro, obwohl das Haus wieder weg soll
  3. 23.06.2026Potsdam 322.756 Euro für ein Haus ohne Genehmigung 322.756 € Potsdam lässt das Kunsthaus im alten Rechenzentrum sieben Jahre länger stehen, zahlt 322.756 Euro und gibt die Sicherung für den Abriss auf

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz