Staatsbilanz

Stadt/Regensburg/Fehlender Bedarf

150.000 Euro für einen Brunnen auf Zeit

Regensburg zahlt 150.000 Euro, damit auf dem Neupfarrplatz vier Wochen lang ein gemieteter Wasserspielbrunnen steht: 5.000 Euro pro Tag

Was ist passiert?

Der Neupfarrplatz liegt mitten in der Regensburger Altstadt, die zum Welterbe gehört. Lange lockte dort das Kaufhaus Galeria Kaufhof die Menschen an. Seit es geschlossen hat, fehlt dem Platz nach Darstellung der Stadt ein wesentlicher Frequenzbringer. Bis das Gebäude neu genutzt wird, will die Verwaltung gegensteuern, unter anderem mit zusätzlichen Freisitzflächen für die Gastronomie und mobilen Pflanztrögen.

Das teuerste Element des Pakets ist ein Brunnen, der nicht bleibt. Für einen Monat im Sommer 2025 soll ein mobiler Wasserspielbrunnen angemietet werden, so wie schon in den Jahren 2022 bis 2024. Die Stadt veranschlagt dafür 150.000 Euro brutto. Darin stecken Miete, Wasser, Strom, Haftpflichtversicherung, Marketing und sogar eine Platzmiete. Bei rund 30 Betriebstagen sind das etwa 5.000 Euro pro Tag (150.000 Euro geteilt durch 30).

In den Vorjahren standen für den Brunnen Fördermittel bereit. Für 2025 gibt es sie nicht mehr. Das wusste die Stadt früh genug, deshalb hatte sie im Haushaltsplan 2025 gar kein Geld dafür eingestellt. Nun soll der Betrag trotzdem fließen, und zwar außerplanmäßig: je 75.000 Euro aus den Budgetrücklagen des Direktoriums 1 und des Referats II. Als Grund nennt die Vorlage, der Brunnen habe sich bei den Besuchern großer Beliebtheit erfreut. Belege für eine höhere Besucherzahl auf dem Platz führt sie nicht an.

Entlasten sollen Sponsoren. Mit ihnen werde bereits gesprochen, heißt es. Eine Zusage nennt die Vorlage nicht. Jeder Euro, der nicht von Sponsoren kommt, geht zulasten der Rücklagen.

Nach vier Wochen wird der Brunnen wieder abgebaut. Das leere Kaufhaus bleibt stehen.

Kritik

Eine Attraktion, die nach einem Monat wieder verschwindet, löst nicht das Problem eines leer stehenden Kaufhauses am Platz. Wer denselben Brunnen vier Sommer in Folge anmietet, hätte längst prüfen müssen, ob sich eine dauerhafte Lösung lohnt, statt Jahr für Jahr Miete zu zahlen. Der Wegfall der Förderung wäre ein guter Anlass zum Verzicht gewesen und kein Grund, die Rücklagen anzugreifen. Gespräche mit möglichen Sponsoren ersetzen keine solide Finanzierung.

VO/25/21948/20: Maßnahmenpaket "Belebung am Neupfarrplatz", Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 10. April 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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