Halbe Million für einen Flur aus Glas
Regensburg lässt für 549.000 Euro einen offenen Durchgang am Amt verglasen und nimmt 380.000 Euro davon aus Geld für Integration
Was ist passiert?
In der Regensburger Maximilianstraße steht ein städtisches Bürogebäude, an dessen Ecke zur Grasgasse ein Arkadengang entlangläuft. Früher war er ein öffentlicher Fußweg. Inzwischen gehört er zum Gebäude, ist aber weiter rund um die Uhr offen. Tagsüber warten dort die Kundinnen und Kunden des Amtes für Integration und Migration auf die offene Sprechstunde. Nachts dient der Gang als Toilette und Müllablage, die Verwaltung berichtet außerdem von „Hinterlassenschaften des Milieus“.
Die Stadt hält den Zustand für unzumutbar und schlägt eine Lösung vor, die sie selbst die „einzige sichere und brauchbare“ nennt. Andere Möglichkeiten werden in der Vorlage nicht abgewogen. Das Pflaster soll samt Betonaufbau bis hinunter zur Kellerdecke herausgerissen und neu aufgebaut werden. Alle Öffnungen zur Grasgasse sollen fest verglast werden, dazu kommen eine Automatiktür, ein neues Rolltor, frische Farbe und eine Deckenbeleuchtung mit Nachtschaltung. Geheizt wird der neue Wartebereich nicht.
Die Kosten summieren sich auf 549.022,89 Euro. Den größten Posten bilden mit 198.730 Euro die Metallbauarbeiten, das sind gut 36 Prozent der Summe. Für Planung und Ingenieurleistungen sind weitere 67.926 Euro angesetzt. Ermittelt wurde das Ganze allerdings nur anhand angepasster Richtpreise, die tatsächlichen Angebote kennt noch niemand.
Aufschlussreich ist vor allem die Geldquelle. 380.000 Euro sollen aus der Integrationspauschale des Freistaats kommen, einer Einmalzahlung für Integration, Asyl und Digitalisierung. Damit würden rund 69 Prozent der Baukosten aus einem Topf bezahlt, der eigentlich Menschen zugutekommen soll (380.000 von 549.023 Euro). Weitere 150.000 Euro stammen aus dem Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“, begründet wird das mit dem benachbarten Kulturort M26. Den Rest von rund 19.000 Euro trägt eine Budgetrücklage. Nach rund sechs Monaten Bauzeit soll der Gang bis Ende November 2026 geschlossen sein.
Kritik
Rund eine halbe Million Euro für einen verglasten, unbeheizten Flur ist eine teure Antwort auf ein Problem aus Schmutz und fehlender Aufsicht. Bevor die Stadt den Boden bis zur Kellerdecke aufreißt, hätte sie günstigere Wege wie Reinigung, Beleuchtung, Gitter oder einen Wachdienst ernsthaft prüfen und offen vergleichen müssen. Dass dafür ausgerechnet Integrationsgelder verbaut werden, verschiebt Mittel, die für Beratung und Unterstützung gedacht sind, in Glas und Metall. Wer auf Basis bloßer Richtpreise einen solchen Betrag beschließt, riskiert zudem, dass es am Ende noch teurer wird.
VO/25/22800/60: Sanierung und Verschließen des Arkadenganges im Bürogebäude Maximilianstraße 26 Maßnahmenbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 25. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.