Kulturzentrum auf Dauer, bevor der Nutzen belegt ist
Regensburg will sein Kulturzentrum am Bahnhof für 290.000 Euro im Jahr unbefristet weiterführen, bevor eine Studie zum Nutzen vorliegt
Was ist passiert?
In der Maximilianstraße, nahe dem Hauptbahnhof am Eingang zur Altstadt, betreibt die Stadt seit 2023 das M26. Das Kulturzentrum war als Zwischennutzung gedacht, befristet bis Ende 2026. Es bietet ein kostenloses Programm und ein Café ohne Konsumzwang. Die Vorlage nennt es ein „Reallabor für kulturelle Innovation“.
Nun soll aus dem Provisorium eine Dauereinrichtung werden. Jährlich fallen 50.000 Euro für Miete, Nebenkosten und Reinigung an und 65.000 Euro für Programm, Werbung und Ausstattung. Für Konzeption, Betreuung und den Betrieb während der Öffnungszeiten kommen 175.000 Euro für einen externen Auftrag hinzu. Zusammen sind das 290.000 Euro im Jahr, ohne Enddatum. Aus der Smart-City-Förderung flossen seit 2024 zudem rund 32.000 Euro, weitere 200.000 Euro stehen bis Ende 2027 bereit.
Laut Stadt nutzten 2024 etwa 30.000 Menschen das Angebot bei rund 400 Veranstaltungen. Legt man die künftigen Jahreskosten zugrunde, kostet jede Nutzung rund 9,70 Euro (290.000 geteilt durch 30.000) und jede Veranstaltung rund 725 Euro.
Den Nutzen soll eine Studie der Universität Regensburg belegen, die erst noch entsteht. Vorab gab es eine Umfrage, an der auch das städtische Kulturamt mitwirkte. Eine studentische Mitarbeiterin befragte an fünf Tagen Gäste, Passanten und Geschäftsleute. Von 78 Geschäftsinhabern und Angestellten berichteten 22 von mehr Umsatz, also rund 28 Prozent (22 geteilt durch 78). In der Beschlussvorlage hieß es daraus, der Umsatz sei „um mehr als ein Drittel gestiegen“. Damit wurde aus einer Minderheit der Befragten ein Umsatzplus für die ganze Straße.
Die Anlage nimmt das Endergebnis schon vorweg: Kirchen in England brächten je investiertem Pfund über 16 Pfund Nutzen, für das M26 sei ein „vergleichbarer oder höherer“ Wert zu vermuten. Gemessen ist davon noch nichts. Trotzdem soll die Verstetigung schon jetzt „in Bilanz als Gewinn“ gelten.
Kritik
Eine Ausgabe von 290.000 Euro im Jahr ohne Enddatum festzuschreiben, bevor die eigens begonnene Wirkungsstudie vorliegt, ist der falsche Weg. Die Zwischennutzung lief ohnehin bis Ende 2026. Die Stadt hätte das Ergebnis abwarten und erst dann entscheiden sollen. Wenn aus 22 von 78 Befragten eine Umsatzsteigerung von mehr als einem Drittel wird, zeigt das, wie sehr das gewünschte Ergebnis die Begründung bestimmt; wer dauerhaft Geld bindet, muss den Nutzen belegen und darf ihn nicht nur vermuten.
VO/25/22284/41: Verstetigung der kulturellen Zwischennutzung in der Maximilianstraße 26, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 23. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.