Teurer Schneeräum-Test auf einem Radweg
Regensburg zahlt Firmen bis zu 90.000 Euro, um drei Monate einen Radweg zu räumen, obwohl der Stadt für Dauerbetrieb Geräte und Personal fehlen
Was ist passiert?
Die Radroute rr05 zieht sich auf rund zehn Kilometern quer durch Regensburg, von der Donaubrücke bei Sinzing über den Hauptbahnhof bis zur Siemensstraße. Unterwegs wechselt sie zwischen Fahrradstraßen, Radwegen, Parkwegen und Mischverkehr. Ebenso uneinheitlich wird sie im Winter betreut: Manche Abschnitte haben höchste Priorität, andere räumt das Gartenamt nur freiwillig. Auf Antrag der Grünen soll die Route nun Schauplatz eines Pilotversuchs für einen besseren Winterdienst auf Radwegen werden. Der Ausschuss beschloss das im Januar 2026.
Die Vorlage der Verwaltung liest sich allerdings eher wie eine Absage. Die eigenen Großräumfahrzeuge sind 18 bis 25 Jahre alt, empfohlen sind zehn Jahre. Ausfälle von Hydraulik, Kameras und Elektronik gehören zum Alltag. Schon die gesetzliche Räumfrist bis 7 Uhr werde oft nur mit großer Anstrengung eingehalten. Für den Versuch fehlen Personal und Technik.
Die Lösung: Private Dienstleister sollen per Direktauftrag einspringen, für 25.000 bis 30.000 Euro im Monat. Insgesamt rechnet die Stadt mit 75.000 bis 90.000 Euro, also mit etwa drei Wintermonaten. Das sind bis zu 3.000 Euro je Kilometer und Monat (30.000 Euro geteilt durch 10 km). Geräumt wird dafür einmal bis 7 Uhr, tagsüber nicht. Bei anhaltendem Schneefall sei die Befahrbarkeit ohnehin nicht garantiert, und Anwohner dürften ihren Schnee auf die frisch geräumten Wege schieben. Das schreibt die Verwaltung selbst.
Und danach? Für einen Dauerbetrieb nennt die Vorlage rund 210.000 Euro Personalkosten im Jahr und 435.000 Euro für ein Groß- und ein Kleinräumfahrzeug. Allein das erste Jahr käme damit auf 645.000 Euro, für eine einzige Route. Die Verwaltung hält das angesichts von mehr Radverkehr und Umweltvorteilen für möglicherweise gerechtfertigt. Bezahlt wird der Test durch Umschichtungen im Winterdienstbudget, während der eigene Fuhrpark weiter auf Ersatz wartet.
Kritik
Ein Pilotversuch ist nur sinnvoll, wenn sein Ergebnis auch umgesetzt werden kann. Die Stadt hat schon vor dem ersten Schneefall festgestellt, dass ihr für einen Dauerbetrieb Fahrzeuge und Personal fehlen und dass sie bereits ihre Pflichtaufgaben kaum schafft. Bis zu 90.000 Euro für einen Test auszugeben, den Private erledigen und der über die Leistungsfähigkeit des eigenen Winterdienstes wenig aussagt, ist teure Symbolpolitik. Das Geld wäre besser in die Erneuerung des überalterten Fuhrparks geflossen, der die gesetzlichen Räumpflichten sichern muss.
VO/25/22776/70: Pilotversuch: Verbesserter Winterdienst auf Radwegen, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 13. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.