Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlender Bedarf

Bürgersprechstunde für im Schnitt einen Besucher

Stuttgart will die Betreuung des Stadtteils Gablenberg für 164.300 Euro verlängern, obwohl in jede Sprechstunde im Schnitt nur eine Person kam

Was ist passiert?

Gablenberg ist ein Stadtteil im Stuttgarter Osten und seit 2014 Sanierungsgebiet in einem Bund-Länder-Programm, heute „Sozialer Zusammenhalt“ genannt. Der Förderrahmen liegt bei rund 9,2 Mio. Euro. Genauso lange gibt es ein Stadtteilmanagement. Seit Dezember 2014 betreut ein privates Institut für Stadtplanung und Sozialforschung den Stadtteil, vermittelt zwischen Bürgern und Verwaltung und hält Sprechstunden im Bürgertreff ab. Der Vertrag wurde seither viermal verlängert.

Nun soll die fünfte Verlängerung folgen, vom 15. März 2026 bis zum 14. März 2028, für 164.300 Euro brutto. Bund und Land übernehmen 60 Prozent. Die Stadt trägt den Rest, also rund 65.700 Euro. Auf 24 Monate verteilt kostet das Management rund 6.850 Euro im Monat.

Wie groß die Nachfrage ist, steht im eigenen Jahresbericht des Instituts. Seit April 2015 gab es 710 Sprechstunden, und im Schnitt kam eine Person. Jede Sprechstunde dauert drei Stunden. Rechnerisch standen also rund 2.130 Stunden Sprechzeit (710 mal drei) etwa 710 Besuchern gegenüber. Laut Bericht kommen die Leute nur, wenn gerade ein Bauthema ansteht. Die Sprechzeiten wurden deshalb 2024 gekürzt. Abgeschafft wurden sie nicht.

Auch bei den Bauprojekten bewegt sich wenig. Die Umgestaltung des Schmalzmarkts wurde seit 2018 mit einem Wettbewerb vorbereitet und dann aus Spargründen eingestellt. Für die Gablenberger Hauptstraße begann die Planung 2020. Sie lag danach im Wartestand, weil dem Tiefbauamt die Kapazitäten fehlten. Ein erster Vorentwurf soll 2026 innerhalb der Verwaltung entstehen. Die Klingenbachanlage soll 2026 ausgeschrieben werden.

Genau diese Vorhaben soll das Management laut Vorlage weiter begleiten. Außerdem soll es Beteiligungsformate „verankern bzw. verstetigen“. Vieles davon läuft bereits ohne bezahlte Hilfe. Ehrenamtliche tragen das Bürgercafé, die Urbanen Gärtner arbeiten laut Bericht weitgehend selbständig, und die Räume verwaltet ein eigener Bürgerverein.

Kritik

Nach mehr als elf Jahren und vier Verlängerungen sollte ein Stadtteilmanagement sich überflüssig gemacht haben, statt erneut verlängert zu werden. Eine Sprechstunde, in die im Schnitt ein Mensch kommt, gehört abgeschafft und durch Termine nach Vereinbarung ersetzt. Solange die Hauptstraße erst innerhalb der Verwaltung entworfen und die Klingenbachanlage erst ausgeschrieben wird, gibt es wenig zu begleiten. Die Stadt hätte den Vertrag auslaufen lassen und Beteiligung gezielt für einzelne Bauvorhaben einkaufen sollen, wenn diese tatsächlich anstehen.

0019/2026 BV: Sanierung Stuttgart 30 -Gablenberg- Bund-Länder-Programm Sozialer Zusammenhalt (SZP) 10. Jahresbericht Beauftragung Stadtteilmanagement, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 24. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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