Sonnenstrom vom Parkhaus rechnet sich nicht
Stuttgart will 4,84 Millionen Euro für ein Energiedach über einem Parkhaus ausgeben, doch nach 20 Jahren fehlen noch 340.000 Euro
Was ist passiert?
Zwischen der Therme LEUZE und dem Mineralbad Berg steht in Stuttgart das Parkhaus Mineralbäder. Über den beiden obersten Decks und den ebenerdigen Stellplätzen an der Nordseite soll ein Dach aus Stahl entstehen. Darauf sollen Module montiert werden, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Der Strom soll in die Therme fließen, die Wärme ins Mineralbad. Laut Vorlage vom Februar 2025 kostet das 4,84 Mio. Euro netto. Das Geld soll vollständig aus den städtischen Mitteln für Klimaschutz kommen.
Auf dem Papier rechnet sich das Projekt. Die Verwaltung erwartet jährlich 273.000 Euro geringere Energiekosten und kommt damit auf eine Rückflusszeit von 18 Jahren. In diese Rechnung fließen allerdings 48.000 Euro an „vermiedenen CO2-Kosten“ ein. Sie beruhen auf einem stadtinternen Preis von 237 Euro je Tonne, den niemand tatsächlich bezahlt. Zufällig gleicht dieser Posten die laufenden Betriebskosten von ebenfalls 48.000 Euro genau aus. Lässt man ihn weg, bleiben jährlich 225.000 Euro übrig. Bei 4.840.000 Euro geteilt durch 225.000 Euro dauert es rund 21,5 Jahre, bis die Investition zurückgeflossen ist. Die Stadt rechnet aber selbst nur mit 20 Jahren Nutzungsdauer. In dieser Zeit fließen 4,5 Mio. Euro zurück, es fehlen also 340.000 Euro. Die Verwaltung verweist zum Trost auf die Herstellergarantie von 25 Jahren.
Auch an anderer Stelle passt die Rechnung nicht zusammen. Laut Begründung sollen 3.630 MWh Wärme „vollständig“ genutzt werden. In der Wirtschaftlichkeitsberechnung stehen dagegen nur 1.140 MWh Eigenverbrauch, also knapp ein Drittel. Den Auftrag soll die stadteigene Gesellschaft Energiedienste der Landeshauptstadt Stuttgart erhalten. Grundlage ist eine Grobkostenschätzung. Obendrauf kommt ein Honorar von zehn Prozent, das sind 440.000 Euro. Externe Planungskosten von 356.200 Euro sind in der Schätzung bereits enthalten. Ob Fördergeld des Landes fließt, wird erst noch geprüft.
Auch beim Klimaschutz ist die Bilanz teuer. Die Anlage soll 203 Tonnen CO2 im Jahr einsparen, in 20 Jahren also 4.060 Tonnen. Jede Tonne kostet damit rund 1.190 Euro. Das ist etwa das Fünffache des Preises, den die Stadt selbst ansetzt.
Kritik
Klimaschutzgeld sollte dort eingesetzt werden, wo jeder Euro möglichst viel CO2 einspart. Hier kostet die Tonne rund das Fünffache des Preises, den die Stadt selbst ansetzt. Eine Rechnung, die erst durch einen fiktiven Posten in die Gewinnzone kommt, darf keine Millioneninvestition rechtfertigen. Die Stadt hätte den Auftrag im Wettbewerb vergeben, die Wärmemengen sauber nachrechnen und Fördermittel vor dem Beschluss sichern müssen.
0590/2024 BV: Errichtung einer Solaranlage auf dem Parkhaus Mineralbäder, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 17. Januar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.